Jonathan Dilas Kurzgeschichten Stories out of Dreams

Die Erschaffung eines Gottes
in der psycholektrisch-physiologischen Realitätsgestaltung

(© Jonathan Dilas)

 

Bericht 1

Mein Name ist Xeprklduph und ich bin ein AGfR, ein »Anerkannter Gutachter für Realitätsgestaltungen«. Das vorliegende Projekt wurde »Terra« genannt und ist mit einem kompletten Universum - im Gegensatz zu einem ‘System’, welches keine umliegenden Fixsterne oder Planeten besitzt - installiert worden. Die Programmierer haben viel Aufmerksamkeit auf dreidimensionale Effekte gelegt sowie auf Verdichtung und Verlangsamung psycholektrischer Energie, damit die Gäste das Gefühl unmittelbarer Erfahrbarkeit erhalten. Das Programmierteam ist gegenwärtig noch in der Phase, in der ein »Gott« erschaffen wird. Diese Phase ist ausschlaggebend für die allgemeine Tarnung, die natürlich dazu da ist, damit nicht ein Gast diese fabelhafte Illusion durchschauen kann. Der Gott ist hier ein Hauptcomputer, der die empfundenen Gefühle der Gäste sammelt und mit dieser Energie u.a. neue Persönlichkeiten kreiert, und damit das konstruierte Universum versorgt. Dieses Gestaltungssystem hat sehr viel Beifall gefunden, da es sich selbst auf Dauer versorgen und so automatisch weiter existieren kann. Weiteres aus meinen Aufzeichnungen vom ersten Besuch an der Tarnungsgrenze:

»...vor mir befindet sich eine strahlende Kugel, aus der Millionen von hauchdünnenn Fäden kommen und später mit jedem Lebewesen verbunden werden, damit der Einfluß des Hauptcomputers gewährleistet werden kann - er wird die künstlichen Erinnerungen an die Gäste senden und gleichzeitig die durch Gefühle erzeugten Energien absaugen. Die Emotionen entstehen natürlich aus den eingeschlossenen Erinnerungen der ursprünglichen Persönlichkeit und werden dann vom Hauptcomputer getarnt und mit den künstlichen Erinnerungen verknüpft. Diese Tarnungsart ist einfach genial und verdient größtes Lob. Selbst wenn es ein Gast schaffen sollte, den hier erschaffenen Gott zu erblicken, wird er mit einer so starken Gefühlsstrahlung konfrontiert, daß dieser dort nur unter äußerster Anstrengung die Tarnungsstrukturen durchschauen könnte...«

Kommentar

Gott wird als eine Art unbegrenztes Energiebündel zusammengestellt, daß sich bei Aktivierung des gesamten Systems selbst sprengen wird. Diese Sprengung bewirkt daraufhin eine Aufteilung in göttliche Aspekte, die sich wiederherum selbst aufteilen werden, solange bis eine Schleife zum Gast aufgebaut wird. Die Strahlung Gottes, die der Gast in den meisten Fällen nach seinem Aufenthalt erleben kann, ist ziemlich intensiv und ein Zeugnis übertriebener Vorsichtigkeit. Der Gast erblickt Gott in der Regel als eine helleuchtende, menschliche Gestalt, die ihn dazu bewegen wird, den ganzen programmierten Aufenthalt noch einmal im Zeitraffer zu durchleben, mit dem Ziel, daß selbst die geringste, verbliebene Energiemenge abgesaugt wird.