Jonathan Dilas Kurzgeschichten Stories out of Dreams

Die Nachricht

(Eine fantastische Kurzgeschichte von © Jonathan Dilas)

 

Es war ein schöner Morgen, als ich mich an meinen Computer setzte und die neuesten E-Mails abholte. Doch unter all diesen Nachrichten befand sich eine, die mir sofort ins Auge stach! Sie hatte sich unter Dutzenden von E-Mails eingereiht, aber aus einem unerklärlichen Grund war sie mir sofort aufgefallen. Ich wusste intuitiv, dass sie von einem Wissenden geschrieben wurde.

Ich weiß nicht wieso, aber es war für mich ganz eindeutig. Ich konnte aufgrund dieser Nachricht sogar ableiten, aus welcher Stadt sie kam. Sofort packte ich einige Sachen in meinen Rucksack und machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Unterwegs traf ich eine Freundin, der ich von meinem Vorhaben berichtete. Sie schloss sich ohne zu zögern meiner Suche an.

Nachdem wir in der Stadt angekommen waren, ging ich wie von magischer Hand geführt zu einem Ort, von dem ich sicher war, dass sich dort der Verfasser der E-Mail aufhielt. Die Suche war sehr kurz und noch nie in meinem Leben wurde ich so zielsicher geführt.

Vor mir ragte ein großes Haus mit einer Tiefgarage auf und ich fühlte, dass wir nahe am Ziel waren. Ich hatte mir vorgenommen, erst einmal hineinzuschleichen, am besten durch diese Garage. Ich wusste nicht, was mich dort erwartete und wollte vorsichtig sein. Kaum betraten wir das Haus, schwanden mir die Sinne und ich musste mich an einer Wand abstützen. Die Ohnmacht war nahe, aber ich konnte mich zusammenreißen. Eine Wahrnehmung drängte sich mir auf und ich sah mich in diesem Augenblick mit meiner Begleiterin auf einem Bett in einem mir fremden Raum sitzen. Ich erkannte, dass ich mich gerade in zwei Realitäten gleichzeitig bewegte. Sie sprach dort sehr laut zu mir und in diesem Moment vermischten sich die Realitäten.

»Du musst leise sein! Sie können uns sonst hören«, flüsterte ich.

Sie lächelte mich an und schien meine Aufforderung nicht gehört zu haben. Ich überlegte, in welcher Realität ich das nun wirklich zu ihr gesagt hatte. Doch bevor ich eine Antwort darauf finden konnte, spürte ich, wie sich mehrere Augen auf uns richteten. Ich war sicher, dass ihre Stimme uns verraten hatte und wir nun entdeckt worden waren.

Plötzlich ergriff uns eine unglaubliche Kraft und instinktiv griffen wir nach unseren Händen, weil wir nicht wussten, was nun mit uns geschehen würde. Diese Kraft zwang uns, die Tiefgarage zu verlassen und wir wurden direkt in einen Raum teleportiert. Noch immer Hand in Hand standen wir in einem großen Raum mit einem erleuchteten Kamin, einer Couchgarnitur und einem blauen, dazu passenden Ledersessel. Weiter links befand sich ein großer, rechteckiger Tisch aus dunkelbraunem, altem Holz. Er kam mir sehr bekannt vor und ich fing einige Erinnerungsfetzen von Träumen auf, in denen ich mit mehreren Personen des Öfteren an diesem Tisch gesessen hatte.

Wir waren aber nicht allein. Ebenfalls befanden sich in diesem Raum sechs Frauen und zwei Männer. Sie trugen knöchellange, weiße Nachthemden und niemand von ihnen war älter als 25 Jahre, wenn ich es recht einschätzen konnte. Sie huschten durch den Raum, tanzten und lachten. Manche von ihnen saßen auf der Couch, eine der Frauen in dem Sessel und auf dessen Lehne eine weitere. Sie schauten in ein Buch und lachten. Alles war durchtränkt von einer unglaublichen Magie, Leichtigkeit und Verzauberung, dass es mir für einen Moment den Atem nahm. Es war einfach wunderschön, sie zu beobachten.

Ich schaute eine der Frauen direkt an, die auf der Couch saßen. Sie hatte ihre Beine angezogen und ihre Knie unter dem Nachthemd versteckt. Als ich sie mir genauer ansah, entdeckte ich kleine Sterne in ihrem Körper und je tiefer ich in sie blickte, desto mehr Sterne sah ich, als blickte ich direkt in ein kleines Universum! Es war einfach traumhaft. Wie konnte sich ein ganzes Universum in ihrem Körper befinden? Ich konnte meinen Blick kaum losreißen und war völlig fasziniert von diesen funkelnden Sternen.

Ich wandte mich zu der Frau neben mir und versuchte, die rechten Worte zu finden:

»Schau, ihr ganzer Körper ist voller Sterne …«

Meine Begleiterin nickte und entgegnete:

»Ich weiß. Sie hat ihren Sternenkörper bereits erreicht.«