Darstellung der Phasen bei der Entwicklung
außerkörperlicher Erfahrungen

(verfasst von © Jonathan Dilas)



Die meisten Praktiker gehen davon aus, dass keine Ängste mehr bestehen, wenn man es einmal geschafft hat, sich vom Körper zu lösen, doch das ist nicht ganz richtig. Es gibt zwei verschiedene Phasen, also Ebenen, in der Entwicklung zu einem problemlosen, außerkörperlichen Zustand, die für einen hervorragenden, anhaltenden Erfolg zu durchqueren notwendig sind. Dabei gehe ich von dem Ziel des Praktikers aus, jederzeit einen außerkörperlichen Zustand zu erreichen, wenn er es wünscht. Ich spreche jetzt nicht von der Zielsetzung, bei der man übt und meditiert, sodass man ein bis zwei Erfahrungen in der Woche oder im Monat hat. Ich spreche also im Folgenden von der voll bewussten Kontrolle ohne irgendwelche Wahrnehmungsbrüche außerhalb des Körpers. Die außerkörperlich Reisenden, oder die, die es werden wollen, teilen sich (aufgrund meiner gesammelten Erfahrungen) in drei Arten von Praktikern, bzw. Aspekte auf, von denen ich hier nur zwei aufführen werde:


Praktiker A/Aspekt A/Level A/Phase I:

Fähigkeiten: Klarheit, Motivation, Wissen

Nachteile: selbstüberschätzt, leugnet Ängste, keine Bewusstseinskontinuität, desorientiert, d.h. driftet schnell ins Träumen ab


Dieser hat von außerkörperlichen Erfahrungen gelesen und möchte sie unbedingt erlernen. Seine Begeisterung für die Möglichkeit, mit einem unsichtbaren Körper durch die Luft zu fliegen und in fremde Schlafzimmer einzudringen oder Abenteuer in fremde Länder zu erleben, spornt ihn dermaßen an, dass er in vielen Nächten meditiert, sich Suggestionen erteilt und alles darüber liest, was er finden kann. Nach einer gewissen Übungszeit erreicht er tatsächlich den Zustand der Außerkörperlichkeit und sieht sich dem Ziel nahe. Doch so lange er auch übt, er kann es höchstens auf ein bis drei Erfahrungen in der Woche oder im Monat bringen, die auch leider nicht eine wirklich annehmbare Wahrnehmungsqualität und Stabilität enthalten, wie sie im Alltag mit den physischen Sinnen zu erleben ist. Seine Erfahrungen sind spannend und interessant, aber trotzdem bleibt ein kleiner, bitterer Nachgeschmack, denn er fühlt, dass ihm etwas fehlt. In seinen Erfahrungen kann er fliegen und Abenteuer erleben, fürwahr, doch erfährt er in diesen Wahrnehmungsbrüchen winzige Momente, als würde er etwas überspringen. Er fühlt die Schwingungen aufkommen, aber plötzlich ist er aus dem Körper heraus. Er möchte das Zimmer verlassen und mit einem Mal fliegt er schon in der Luft. Es tauchen also minimale Blackouts auf, so als verliert er manchmal den Faden. Er hat Schwierigkeiten Personen aufzusuchen oder Orte seiner Wahl, es ist nicht einfach, längere Zeit außerhalb seines Körpers zu bleiben, die Erfahrungen sind fast immer nur auf wenige Minuten beschränkt. Irgendwann hat er die Möglichkeiten ausgeschöpft und findet diese Erfahrungen nicht mehr so spannend wie beim ersten Mal. Er glaubt dann, er habe das Kapitel wohl abgeschlossen und wendet sich anderen Dingen zu. Die Erfahrungen nehmen ab und er hat vielleicht einmal im Monat eine Erfahrung.


Praktiker B/Aspekt B/Level B/Phase II

Fähigkeiten: Stabilität, Bewusstseinskontinuität, orientierungsstark

Nachteile: ängstlich, ablehnend, ausweichend, unaufgeklärt, unmotiviert

 
Dieser Praktiker erlebt in mancher Nacht ganz automatisch Symptome der außerkörperlichen Erfahrung und fürchtet sich davor. Manchmal findet er sich mit absoluter Klarheit seiner Sinne unter der Decke schwebend wieder, hat panische Ängste und möchte damit nichts zu tun haben. Er besitzt die Auffassung, dass er dem Tode nahe ist oder dass hier etwas Unangenehmes mit seiner Psyche passiert. Wenn er sich nachts in diesem Zustand ertappt, bricht er ihn möglichst schnell ab. In den meisten Fällen kann er diese Erfahrungen nicht zuordnen, möchte aber, dass das aufhört. Notfalls geht er sogar zu einem Arzt oder Psychologen, um ein Mittel zu erhalten, dass diese Symptome stoppen und er nachts endlich seine Ruhe hat. Selbst wenn dieser Praktiker ein Buch über außerkörperliche Erfahrungen einmal lesen sollte, wird er teilweise erkennen, dass seine Erlebnisse hier kategorisiert und aufgeführt werden, mit denen er sich fast jede Nacht herumplagt, aber er wird weiterhin nichts mehr damit zu tun haben wollen, unabhängig davon, welche interessanten Möglichkeiten die Kontrolle dieser Fähigkeit bieten mag.


Praktiker A und B sind gleichzeitig Einstiegsmöglichkeiten, mit denen man sich dem Thema des außerkörperlichen Reisens fix nähern kann. Manche entdecken zuerst Aspekt B in sich und erleben eine erstaunliche Klarheit und Stabilität, aber möchten damit nichts zu tun haben. Dies liegt ganz einfach daran, dass dieser Aspekt sich nicht der Existenz von Aspekt A bewusst ist. Beide sind ein Teil des Unterbewusstseins und man kann sich in den ersten Jahren oftmals nur einen der beiden bewusst machen. Auf diesen muss dann aufgebaut werden, unabhängig davon, wie enorm diese Ängste sind. Aspekt B ist die Hauptblockierung für das Erreichen von außerkörperlichen Erfahrungen, aber gleichzeitig der Träger der wichtigsten Fähigkeiten für den zweiten Körper! Aus dem Grund ist es unklug, wenn man seine Ängste verdrängt oder hinfortdenkt, weil man sich damit zu einem einsamen Leben als Aspekt A vorverurteilen würde. Wenn man jedoch plant, diese Fähigkeit nur ein wenig auszuprobieren, ohne dies ernsthaft weiterzuverfolgen, reicht es völlig aus, wenn man sich auf Aspekt A beschränkt.

Die meisten meiner Leser werden sich gewiss mit Aspekt A identifizieren können und wohlmöglich innerlich aufschreien und rufen, dass es Unsinn ist, was ich hier erzähle. Denn sobald man eine außerkörperliche Erfahrung will, dann erreicht man auch eine und Ängste sind etwas für Menschen, die nicht wissen, was da mit ihnen geschieht. Die Aufklärung reicht völlig, um die Ängste zu beseitigen.

Leider ist es aber auch das, was hier geschieht. Aspekt A verdrängt Aspekt B, weil er sich somit nicht mit den Ängsten dessen auseinandersetzen muss. Natürlich funktioniert das, wie man an den meisten Praktikern sehen kann, aber auf Dauer hat das keinen Bestand. Die Erfahrungen von Aspekt A sind anfangs ganz gut und er wird vielleicht ein Jahr lang spannende Dinge erleben oder länger, aber irgendwann wird er bemerken, dass seine Erfahrungen zurückgehen. Sie nehmen ab. Es wird Zeiten geben, in denen er mehrere Erfahrungen in der Woche haben wird, aber es werden Zeiten kommen, in denen er schon glücklich ist, wenn alle paar Monate einmal etwas passiert. Diese Entwicklung ist keinesfalls ein Rückschritt! Die meisten könnten das denken und werden irgendwann aufhören, außerkörperliche Zustände erreichen zu wollen, da Aspekt A ohne Aspekt B – auf Dauer - einfach nicht in der Lage sein wird, seine Erfahrungen weiter auszubauen. Sie werden eine Art Muster erhalten, das ihn irgendwann langweilen wird.

In Phase II zu sein bedeutet eigentlich nur, dass man den zweiten Aspekt in Arbeit hat.