Das Voynich Manuskript

Das Voynich Manuskript

Der große Fund

Es war einmal ein Mann namens Wilfrid M. Voynich, ein ehrgeiziger Buchhändler, der 1912 in Italien, im Jesuiten-College bei der Villa Mondragone in Frascati, ein seltsames Buch entdeckte. Als er es durchblätterte, sah er viele gezeichnete Bilder von Sonnenblumen, Sternen, Tierkreiszeichen, Meerjungfrauen und einigen Pflanzen, die ihm unbekannt waren. Am meisten jedoch stutzte er, als ihm die seltsamen Buchstaben auffielen. Er konnte keines der Worte lesen! Da Voynich sich ganz gut mit Sprachen auskannte und sich fast sicher war, so etwas noch nie zuvor gesehen zu haben, kaufte er den Jesuiten des Ordens das Buch für wenig Geld ab. Danach übergab er einige kopierte Seiten an die besten Decodierer des Landes, doch selbst nach monatelanger Forschung konnten sie nicht einen Satz entschlüsseln. Sie teilten ihm mit, dass es eine bisher unbekannte Sprache sei, mit der sie es hier zu tun hätten. Das Problem der Entschlüsselung dieser seltsamen Sprache oder Schrift, hält bis in die Gegenwart an. Sicher ist nur, dass jenes Buch seither den Namen seines Finders trägt und so zum Voynich-Manuskript wurde.

Das Manuskript besitzt die Maße von 17,8 x 25,4 Zentimetern und umfasst 116 Doppelseiten;, 14 dieser Seiten fehlen ganz offensichtlich. Darüber hinaus ist es aus hellbraunem Pergamentpapier, in einem flüssigen Schriftbild beschrieben, das jedoch noch nie zuvor gesehen wurde, und genau das macht es in seiner Form einzigartig.

Die Seiten bestehen aus einem dünnen Pergament, das an leicht schmieriges Butterbrotpapier erinnert, aber nachweislich mehrere hundert Jahre alt ist. Das hohe Alter des Manuskriptes ist bestätigt und wird überwiegend auf das 13. Jahrhundert datiert. Gegenwärtig kann es noch immer als eines der am Besten verschlüsselten Systeme gelten, das offenbar sogar schwieriger zu knacken ist als die im zweiten Weltkrieg verwendete Navaho-Sprache. Heute befindet sich das  Jahrhunderte alte Werk in der Beinecke Rare Book Bibliothek der Yale Universität und hütet noch immer sein Geheimnis.

Im Weiteren einige Ausschnitte aus dem biologischen Teil mit Größenvergleich:

Vergleiche

Die im Voynich-Manuskript abgebildeten Pflanzen erweckten in so manchen Interessierten den latenten Biologen und so recherchierte man akribisch genau nach Übereinstimmungen mit heimischen Pflanzen. Das gezeigte Beispiel zeigt z.B. die größte Ähnlichkeit mit der gemeinen Sonnenblume (lat.: Helianthus).

Auszüge aus dem Manuskript, Seite 33a und 34:

In den meisten Fällen stuften Biologen und Kräuterkundler die dargestellten Pflanzen jedoch als unbekannt ein.

Das Buch besteht aus zwei Kapiteln über Pflanzen, einem Kapitel über Astronomie mit einem weiterem über Kosmologie und der Darstellung von Sternen und Himmelssphären, dann einem Kapitel über Biologie, in dem Meerjungfrauen und Rubens ähnliche Nymphen zu sehen sind, sowie einem Kapitel mit Rezepten, wie es scheint. Dummerweise leitet man den Leser dazu an, diese vermutlichen Rezepte aus Pflanzensäften, die uns geradezu unbekannt sind, denn z.B. die abgebildete Sonnenblume ist keineswegs jene, die wir aus unseren Schulbüchern oder von der einen oder anderen Reise ins Grüne kennen, herzustellen. Nicht nur sind die Farben der gezeichneten „Sonnenblume“ teilweise völlig anders, sondern auch detaillierte Ausschnitte der Zeichnung. Sie stellen definitiv eine uns völlig unbekannte Pflanze dar, sozusagen eine fremde, verwandte Art unserer heimischen Sonnenblume.

Natürlich ist und bleibt die Unlesbarkeit des Manuskriptes ein Hindernis und lässt vieles im Unklaren. Es verhält sich auch nicht so, dass die Schrift allein durch Erosion und mit dem Alter des Manuskriptes unleserlich geworden sei, sondern dass die Buchstaben ebenso fremd wie die abgebildeten Pflanzen sind.

Im Folgenden eine Grafik des bekannten Forschers Jorge Stolfi mit der Gegenüberstellung der gezeichneten und einer tatsächlichen Sonnenblume. Links ist die „Voynich-Sonnenblume“ und rechts jene unserer Gefilde:

Die Vergleiche zwischen den beiden Blumen zeigen eindeutig, dass es sich bei der im Voynich-Manuskript abgebildeten Sonnenblume nicht um der uns vertrauten handelt, sondern scheint es hier vielmehr eine Darstellung einer damit vielleicht vergleichbaren Pflanze zu sein, die es jedoch bei uns nicht (mehr) gibt oder niemals gegeben hat. Die Materialien, die er benutze, waren zu seiner Zeit nicht preiswert.

Verwickelte Personen und Verdächtigungen

Zu dem Zeitpunkt als Voynich das Manuskript fand, beinhaltete das Buch einen kleinen Zusatz in Form eines Briefes. Dieser Brief stammte von Johannes Marcus Marci aus Grönland und war an einen gewissen Athanasius Kircher adressiert im Jahre 1666. Darin stand, dass dieses Manuskript für 600 Dukaten an den Herrscher Rudolf II verkauft worden sei. Rudolf II war Herrscher des Heiligen römischen Reiches. Auch dieser schien das Manuskript einst dechiffrieren zu wollen. Neben seiner ausgelassenen Amtstätigkeit beschäftigte er sich sehr stark mit der Esoterik in den Bereichen Alchemie und Astrologie sowie mit magischen Praktiken und Ritualen. Selbst der berühmte Astrologe Johannes Kepler kam einst in Berührung mit diesem Manuskript.

Ein Franziskaner mit Namen Roger Bacon (1220-1292) war zu dieser Zeit sehr bekannt dafür, Bücher für den Papst Clemens den IV zu schreiben.. Später wurde er inhaftiert, weil man ihn für verrückt deklarierte. Aus diesem Grund vermuten einige Forscher auch, dass Bacon vielleicht dieses Buch geschaffen hat, weil es seiner Profession nahe kommt, doch handelt es sich hier nur um ein Gerücht, das keineswegs bestätigt werden konnte.

Athanasius Kircher (1602-1680), ein Jesuitenführer des 17. Jahrhunderts, stand in unglaublich vielen Korrespondenzen mit Forschern, Wissenschaftlern, Päpsten, Jesuiten sowie zwei römischen Kaisern und lebte zu Galileos Zeiten. Sein Interesse galt nicht nur der Ägyptologie, sondern auch dem Magnetismus und Alchemie. Er schrieb Bücher und erfand einige Gerätschaften, wie z.B. hydraulische und magnetische Maschinen, die er seinen Museumbesuchern stolz zu präsentieren pflegte. Seine Missionarstätigkeit reichte bis in die „Neue Welt“ und China. Seine Forschungen beeinflussten West-Europa und deren Kultur im großen Maße. Er war ebenso ein guter Mathematiker und wurde von Marci verdächtigt, das Voynich-Mauskript erstellt zu haben. Dies jedoch verwarf Marci schnell wieder, als er herausfand, dass das Manuskript bereits viele Jahre im Besitz von Rudolph II gewesen ist und Kircher zu der Zeit noch nicht lebte.

Johannes Marci (1595 – 1667) bemühte sich intensiv um die Unabhängigkeit der Universität in Rom von den Jesuiten, die ihr Kolleg in Prag betrieben. Doch seine Bemühungen schlugen fehl und im Jahre 1654 wurden die Universitäten unter der Führung der Jesuiten zusammengeschlossen. Ihm war das Voynich-Mauskript ebenfalls bekannt und sein größter Gegner war derzeit Athanasius Kircher, der die Jesuiten zu jener Zeit anführte. Somit kam es ihm gelegen, Kircher für die Erstellung des Voynich-Manuskriptes verantwortlich zu machen. Er stand in Korrespondenz mit Athanasius Kircher und hatte ihn um Hilfe gebeten, das Manuskript zu entschlüsseln. Sie wurden daraufhin Freunde, aber das Manuskript blieb ihnen in seiner Bedeutung verschlossen.

Rudolf II (1552-1612) war hingegen überzeugt, dass das Voynich-Manuskript von Roger Bacon erstellt wurde. So engagierte Rudolph II John Dee, einen Mathematiker und Astrologe des Hofes Königin Elisabeth I, um die Herkunft des Manuskriptes zu klären. Der Hof war bekannt dafür, über die Zeit einen ganzen Stapel Manuskripte von Roger Bacon erhalten zu haben und konnte vielleicht weiterhelfen.

Die Verdächtigung, von einem Kaiser ausgesprochen, wog natürlich viel. Später nahm er seine Behauptung jedoch zurück, da er mit der Zeit von der Authentizität des Manuskriptes überzeugt war. Sein Interesse für seltsame und befremdliche Gegenstände wuchs immerzu und konnte nach vielen Jahren mehr als 250 Gegenstände sein Besitz nennen, die einen Betrachter nicht nur in Erstaunen versetzten, sondern auch zum Teil ganz schön gruselten. Seine Sammlung an „Wunderdingen“, wie man diese Gegenstände derzeit zu nennen pflegte, sind zum größten Teil spurlos verschwunden. Einige der Gegenstände jedoch sind später fotografisch festgehalten worden. Darunter sind zwei sehr alte Alraunen (Mandragora), eine von den Hexen sehr verehrte Pflanze mit einer menschlich aussehenden Wurzel, der magische und auch halluzinatorische Wirkung zugesprochen wird, sowie ein außerordentlicher Kristall und eine Art Glocke mit aufwändigen Verzierungen.

Anhand einer Liste mit Zeichnungen konnten noch einige der fehlenden Gegenstände bestimmt werden. Darunter befanden sich u. a. ein Tierschädel, der einem Wildschwein gleicht, aber keines zu sein schient, des Weiteren eine Vase, dessen Aussehen sehr stark an Stil und Erscheinung an die Zeichnungen im Voynich-Manuskript erinnert sowie weitere Gefäße und Amphoren, die nur schwer einer Kultur zuzuordnen sind. Ein weiterer, gezeichneter Gegenstand stellt eine Frau mit Haaren bis zu ihren Füßen dar. Diese seltsame Frau scheint im Zusammenhang mit der Alraune-Wurzel zu stehen, ist aber völlig ungeklärt.

Edward Kelly (1555-1595), war überzeugter und emsiger Alchemist, der von sich selbst behauptete, dass er mittels eines geheimnisvollen Pulvers Blei zu Gold verwandeln konnte. Auch behauptete er, dass er mithilfe einer Kristallkugel Engel heraufbeschwören konnte. Aus seinen Kontakten mit den Engeln entwickelte er eine eigene Sprache mit dem Namen „Enochianisch“ – nach dem Buche Enoch aus der Bibel. Somit wurde er ebenfalls sehr schnell verdächtigt, das Voynich-Manuskript erstellt zu haben, denn dies enthält offensichtlich eine fremde Sprache. Kelly war ein guter Freund von Dee.

Überdies kann selbst der erste Finder Wilfrid Voynich ebenso der Fälscher gewesen sein – sofern es sich um eine Fälschung handeln sollte. Immerhin war Voynich ein geschickter Buchhändler und besaß Zugriff auf altes Pergament. Ein verlorenes Buch, das sich einst im Besitze des berühmten Roger Bacons befand, würde auch Voynich berühmt machen.

Es gab und gibt eine ganze Reihe von Personen, die in der Weitergabe und Analyse des Voynich-Manuskripts verwickelt waren. Nachdem die Yale Universität das Manuskript erhielt, konnte es dort auf seinem Wege in die Universität bis ins Mittelalter zurückverfolgt werden. Zuerst schien es der Mathematiker und Alchemist namens Roger Bacon aus dem 13. Jahrhundert besessen zu haben. Dieser hat es vermutlich später an den englischen Hof verkauft, da er der Königin Elisabeth sehr gern das eine oder andere Werk verkaufte. Im 17. Jahrhundert gelangte es in die Hände von Jacobus Horcicky (Sinapius), der seinerzeit Pharmazeut und Alchemist gewesen ist. Einige Zeit danach gelangte es dann zu Edward Kelly. Dieser erkannte den Wert des Manuskriptes und schrieb sofort einen Brief an Rudolph II von Habsburg, der von Prag aus das römische Reich regierte und solche seltsamen Gegenstände mit großer Vorliebe sammelte. Aufgrund seiner Stellung besaß er den notwendigen Reichtum. Hier besteht aber noch Unklarheit, ob es Kelly oder vielleicht einfach nur ein Unbekannter gewesen ist, der das Manuskript dem Kaiser für 600 Dukaten (heute ca. 35.000 €) verkaufte. Danach findet es sich plötzlich in den Händen von Johannes Marcus Marci wieder. Aus einem seiner Briefe geht hervor, dass er es von George Baresch erhalten habe. Baresch betrachtete die Entschlüsselung als sein persönliches Lebenswerk und hatte vergeblich versucht das Manuskript selbst zu dechiffrieren. Völlig irritiert sandte er Kopien von einzelnen Seiten an Marci. Offenbar hat Marci viele Jahre später das Manuskript kurz vor seinem Tode an Anthanasius Kircher vererbt. Irgendwann muss das Manuskript seinen Weg in das Jesuiten-Kloster von Frascati gefunden haben, wo es von Wilfried Voynich entdeckt und nach Amerika gebracht wurde. Auch Voynich versuchte das Manuskript für viel Geld zu verkaufen, aber niemand wollte es haben. Er behielt es bis zu seinem Tod und vererbte es seiner Sekretärin Anne Nill. Diese verkaufte das Manuskript 1931 für 24.500 Dollar an einen gewissen Hans Kraus, einen Sammler und Händler, der es für 160.000 Dollar weiterverkaufen wollte, aber seinerseits ebenfalls keinen Käufer finden konnte. 1969 spendete er dann das Manuskript ganz einfach der Yale-Universität . Seit dieser Zeit versuchen sich viele Personen an der Entschlüsselung.

Der Forscher Ergebnisse

Es wurden bereits viele Versuche unternommen von verschiedenen Forschern, Hobby-Astronomen, Kräuterkundlern, Biologen und Decodierern mit militärischer Ausbildung, z.B. der NSA (Geheimdienst der USA) u.v.a., um den Sinn des Voynich-Manuskriptes zu ergründen. Entschlüsseln konnte es bisher niemand, aber es sind viele interessante Ansätze entstanden, die kleine Hinweise geben und dem neuen Interessierten helfen können.

Im Jahre 1930 gab es einen tollkühnen Forscher, der sich sehr gut mit der Anatomie von Pflanzen auskannte. Er war der Überzeugung, dass das Voynich-Mauskript nicht aus dem 13. Jahrhundert stammen könnte, da Sonnenblumen erst mit der Hilfe von Christoph Kolumbus nach Europa gelangten. Dies betrachtete er als einen Fehler und unterstützte daher die Ansicht, das Manuskript sei eine Fälschung (Fälschung wird hier so definiert, dass die Buchstaben keinen Sinn ergeben und ausschließlich dazu erstellt wurden, um u. a. Kaiser Rudolph II zu täuschen und an Reichtum zu kommen). Doch die Annahme jenes Forschers ist reine Spekulation, denn sie setzt blind voraus, dass…

  • niemand anderes als Kolumbus die Sonnenblume importiert haben kann
  • niemand anderes vorher jemals eine Sonnenblume zu Gesicht bekommen haben kann
  • das Manuskript definitiv unsere irdische Sonnenblume beschreibt
  • das Manuskript ausschließlich Pflanzen aus unserer Welt beschreibt
  • es niemals Sonnenblumen verwandte Pflanzen gab

Da sich diese Sachverhalte nicht prüfen lassen , ist es meines Erachtens sehr kurzsichtig gedacht, das Manuskript als Fälschung abzutun. Natürlich ist es heute möglich, anhand der Tinte genau festzustellen, wie alt das Manuskript tatsächlich ist (siehe C14-Methode), doch die Yale-Universität weigert sich, das Manuskript für Labortests herauszugeben. Somit bleibt weiterhin im Unklaren, aus welchem Jahrhundert es nun wirklich stammte. Doch letzten Endes ist dies nicht wirklich erheblich, denn das Manuskript existiert und dass es eine sinnige Sprache verbirgt, ist bereits festgestellt worden (s. u.).

Im Jahre 1943 versuchte sich der Kryptologe  Joseph Martin Feely an dem Manuskript und gewann seine Sicherheit aus der Annahme, dass Bacon dies gewiss verfasst hatte und nahm dessen Schriften zurate, um das Voynich-Manuskript zu entschlüsseln. Nächtelang verglich er Bacons Schriften mit dem Manuskript, doch er gelangte zu keinem Lichtblick mit dieser Methode. Entnervt gab auch er auf und konnte nicht glauben, dass es nicht zu entziffern sein sollte. Einer der vielen Nachfolger wie auch John Stojko, der angab, dass das Manuskript in einem ukrainischen Bürgerkrieg ohne jeden Vokal verfasst wurde und darum schwer zu entschlüsseln sei. Außerdem wurde eine Zeit lang aus verschiedenen Quellen behauptet, dass Voynich-Manuskript sei ein Zusatz des gotischen (schwarzmagischen) Werkes „Necronomicon“. Dieses Gerücht entstand jedoch nur durch den berühmten, englischen Horror-Geschichten-Schreiber H. P. Lovecraft, der in einigen seiner Kurzgeschichten das Voynich-Manuskript verwendete und eben genau dies als ein Anhängsel des Necronomicons bezeichnete.

Ein weiterer, hervorragender Decoder namens William Friedmann heuerte die besten Männer seiner Zeit an, um das Manuskript zu knacken. Immerhin war es ihnen im zweiten Weltkrieg gelungen, den japanischen „Purple-Code“ zu entschlüsseln. Ein Jahr lang tüftelten und rätselten sie, doch sie konnten diesen Code einfach nicht lösen. Sobald sie eine Spur besaßen, verlief sie wieder im Nebel, denn die eine Bestätigung wurde auf der nächsten Seite wieder zunichte gemacht. Eines grauen Morgens entschlossen sie sich zu verkünden, dass sie in diesem Manuskript ihren Meister gefunden hätten. So verabschiedeten sie sich von all dem Ruhm, den sie ein zweites Mal erhaschen wollten und legten das Manuskript leise zur Seite.

In den 70er Jahren untersuchte der Kryptografie-Experte Prescutt Currier (US-Navy) die statistische Häufigkeit der Zeichen und Worte. Auf einem extra ausgerufenen Voynich-Symposium des US-Geheimdienstes NSA (National Security Agency) kam er zu dem Schluss, dass mindestens zwei Personen an dem Text gearbeitet haben müssen. Seiner Vermutung nach habe er einen eindeutigen Beweis, dass das Manuskript kein Betrug oder Spaß sein kann, denn die Wortverteilung gehorche dem so genannten „Zipfschen Gesetz“, wie sämtliche natürliche Sprachen.

Schriftauszug aus dem Manuskript, nachgestellt von J. Dilas

Das so genannte „Zipfsche Gesetz“ wurde nach dem Harvard-Professor George Kingsley Zipf benannt (1902-1950), der eine immer wiederkehrende und Rang befolgende Frequenz in unterschiedlichen Sprachen feststellte und festhielt, selbst wenn es sich hierbei um zufällige Auszüge handelte. Das wohl bekannteste Beispiel des Zipfschen Gesetzes lässt sich am Beispiel der Frequenz englischer Worte demonstrieren. Hierzu wurde das englische TIME-Magazin zu Hilfe genommen und untersucht. Die fünfzig am häufigsten vorkommenden Worte in 423 TIME-Magazin-Artikeln wurden gezählt und ergaben Folgendes: Insgesamt waren es 245,412 Worte, das Wort „the“ (dt.: der, die das) erschien 15861 Mal und besetzte so Rang 1. Das Wort „of“ (dt.: von, der…) erschien 7239 Mal und das Wort “to” (dt.: zu) übernahm Rang 3 mit 6331 Erscheinungen.

Man kann dies jederzeit überprüfen und wird stets zu vergleichbaren Ergebnissen kommen, denn das Zipfsche Gesetz trifft auf jede Sprache zu.

Wendet man dieses Gesetz auf das Voynich-Manuskript an, erkennt man ein deutliches Muster, das wiederum Zipf mit seiner Annahme bestätigt, doch genügt es nicht, um die Schrift zu entschlüsseln. Betrüger können jedenfalls das Zipfsche Gesetz bei einer möglichen Fälschung nicht berücksichtigt haben, da dieses erst seit 1935 bekannt wurde und das Manuskript um einige hunderte Jahre älter ist. Man sagte sogar seinerzeit, dass der Kryptologe Brumbaugh von Yale in späteren Jahren glaubte entdeckt zu haben, dass dies ein Rezeptbuch für bewusstseinserweiternde Halsbonbons sei, die Halluzinationen hervorrufen können. Aus vermutlich gleicher, unbestimmbarer Quelle wurde ebenfalls ausgesagt, er hatte sich so sehr in das Manuskript hereingesteigert, dass er in eine Psychiatrie überwiesen werden musste. Ob dies jedoch den Tatsachen entspricht, ist unklar, aber es zeigt, wie sehr das Manuskript einen Menschen faszinieren kann, bzw. dass ein unlösbares Rätsel einen Menschen äußerst motivieren kann.

Mein eigener Dechiffrierungsversuch zum Manuskript liegt nun nicht in weiteren mathematischen oder analytischen Überlegungen vor. Denn persönlich ist meine Begeisterung nur geweckt worden, weil mir die Schrift, die im Voynich-Manuskript verwendet wurde, sofort bekannt vorkam, als ich Kopien im Internet entdeckte. Nach einigen Recherchen in meinen Traumaufzeichnungen vieler Jahre entdeckte ich tatsächlich einige Träume, in denen ich mit Büchern und merkwürdigen Schriften in Kontakt gekommen war. Sobald ich ein Buch in einem Traum aufschlug, war ich nicht in der Lage, dieses zu lesen! Seltsame Symbole und Schriftzeichen blickten mich an. Dieses Phänomen ist jedoch nicht nur bei mir aufgetaucht, sondern auch bei vielen anderen Oneironauten (griech.: Träumer), die die Fähigkeit erworben haben, sich mit vollem Bewusstsein in einem Traum aufzuhalten und ihren Willen frei einzusetzen. Diese Träumer bedienen sich hier eines vollkommenen Wachbewusstseins, das man auch Luzidität (von lat.: lucidere, dt.: hell, klar) nennt. Immer wieder wird von ihren vergeblichen Versuchen berichtet ein Buch im Traum zu lesen. Im Folgenden eigene Erfahrungen mit dieser Problematik:

Traumerfahrung von Sonntag, dem 24.1.1993

Ich wurde luzid, als ich mich in einem Kaufhaus befand. Alles wirkte auf mich so wie ein Kaufhaus im Alltag: Regale über Regale und ab und zu ein Stand mit Waren darauf, die im Sonderangebot waren. Die Menschen um mich herum wirkten sehr beschäftigt, eilten an mir vorbei oder suchten etwas in den Regalen. Ich beschloss kurzerhand ein wenig in den Gängen herumzulaufen und mir die Waren anzusehen, die in dieser bekannten und doch fremden Welt angeboten wurden. Dabei stieß ich auf einen Bücher-Wühltisch. Die Bücher schienen ausgemusterte Exemplare zu sein und waren vermutlich sehr preiswert. Ich stellte mich vor diesen Wühltisch und griff eines der Bücher heraus. Als ich es öffnete, sah ich nur seltsame Symbole und konnte nicht ein Wort davon lesen. Manchmal glaubte ich etwas lesen zu können, aber dann verschwamm wieder alles und  wurde völlig unleserlich. Ich wunderte mich darüber, denn ich war luzid und dachte, dass meine Wahrnehmungsfähigkeiten doch nicht begrenzt sein dürften.

Als ich erwachte, tat ich dieses als ein einmaliges Phänomen ab und war überzeugt, dass es in einem weiteren Traum nicht mehr vorkommen würde. Doch einige Wochen später erfuhr ich das gleiche Ereignis:

Traumerfahrung vom Freitag, den 19. Februar 1993

Ich war zu Besuch bei einer Freundin. Wir saßen auf einer Couch und alberten ein wenig herum, als sie mir unbedingt etwas zeigen wollte. Als sie aufstand, wurde ich kritisch, denn ich erinnerte mich plötzlich daran, dass ich diese Freundin seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Mittlerweile war ich in eine entfernte Stadt gezogen und wir hatten keinerlei Kontakt mehr zueinander. In dem Moment, als ich dies realisierte, wurde ich luzid. Sie kehrte mit einem sehr großen Buch zurück, einem Atlas ähnlich, mit dunkelblauem Cover und weißer Schrift. Sie setzte sich wieder neben mich und schlug das Buch auf. Sie zeigte mir einige Textstellen von einem Urlaubsort, aber ich kniff meine Augen zusammen und versuchte krampfhaft eines der Worte zu entziffern. Es wollte mir einfach nicht gelingen. Die Freundin erkannte vermutlich, dass ich ihr nicht so recht folgen konnte und sprach mich darauf an. Ich sagte ihr, dass ich im Moment die Buchstaben nicht entziffern könnte, aber dass es gleich wieder funktionieren würde. Sie legte das Buch zur Seite.

Nach dieser Traumerfahrung wunderte ich mich schon mehr, dass ich dieses Buch nicht lesen konnte, aber es trieb mich trotzdem nicht an, diesbezüglich zu recherchieren. Ich hielt dies für ein individuelles Problem, das eben mit meinen Fähigkeiten zu tun hatte. Erst einige Jahre später entdeckte ich zufällig einige Erfahrungen anderer Träumer, die von derselben Schwierigkeit berichteten. Sie schrieben überdies von seltsamen Symbolen und verschnörkelten Zeichen, ebenso wie es bei mir der Fall gewesen ist. Persönlich hatte ich in meinen Träumen einfach keine Bücher mehr angefasst, weil es mir aus Erfahrung nichts brachte. Andere Träumer untersuchten das Phänomen auch nicht mit besonderer Aufmerksamkeit, denn es wurde einfach als Phänomen von uns akzeptiert, so wie es in unserer Welt nicht möglich ist ein chinesisches Buch zu lesen, wenn man niemals Chinesisch gelernt hat.

Als mir Ende der 90er Jahre das erste Mal das Voynich-Manuskript mit seinen seltsamen Zeichen begegnete, fühlte ich mich wieder an das Problem erinnert, aber ich befand mich nicht in einem Traum, sondern in meiner Alltagsrealität! Dieses Phänomen irritierte mich sehr und nach einigen weiteren Recherchen und Träumen bin ich mir sicher, dass dieses Manuskript aus einem Traum transkribiert wurde!

Erfahrung vom Donnerstag, 25.11.2004

Während ich stundenlang über dem Voynich-Manuskript brütete und versucht hatte, einen Bewusstseinszustand zu erreichen, indem es mir gelingen könnte, umfassend zu verstehen, worum es darin ging, veränderte sich tatsächlich mein Bewusstsein. Mit einem Mal war mir jede einzelne Seite in ihrem Sinn deutlich, auch wenn ich die Schrift immer noch nicht entziffern konnte. Ich blätterte die Seiten des Manuskriptes durch und verstand ganz automatisch die Bedeutung einer jeden Seite. Ich erkannte, dass hier Rituale von Hexen erklärt und durchgeführt wurden, die bestimmte Sternenkonstellationen benutzten, um einen energetischen Einfluss der Sterne auf den menschlichen Körper (Astrologie) und den Einfluss der Sterne auf die Pflanzen (Astrophytologie) – mitunter Nachtschattengewächse – zu nutzen.

Es ist für mich offensichtlich, dass dieses Manuskript seinen Ursprung in einem Traum besaß und es jemand abgeschrieben haben muss – wie auch immer die Person das hinbekommen hat, denn sie muss in der Lager gewesen sein, das Traumbuch zu sehen und gleichzeitig im Wachzustand zu schreiben. Höchstwahrscheinlich in einem Trancezustand.

Dies klingt nun ein wenig ungeheuerlich, vor allem wenn man sich nicht für das luzide Träumen oder bewusstseinserweiterte Zustände interessiert, aber für mich war dies schnell offensichtlich. Auch habe ich weitere Hinweise finden können, die mir dies bestätigten. Zum einen gibt es vielleicht Aufschluss sowie eine Bestätigung meines Ansatzes bezüglich eines kleinen Fundes, der sich auf der letzten Seite des Voynich-Manuskriptes entdecken ließ. Diese Notiz stammte aus unbekannter Hand und nur eine kurze Eintragung in lateinischer Sprache mit dem Wortlaut: A mihi dabas multas portas.

Wenn man sich diese Worte einmal mit seinen lateinischen Kenntnissen anschaut, erkennen wir die Wörter „Portas“ und „multas“, sprich „viele Tore“. Die Gesamtübersetzung könnte somit lauten: „Du hast mir viele Tore gegeben.“ oder “Du hast mir viele Portale gezeigt.”

Dieser Eintrag allein ist bereits ein Indiz darauf, dass es sich hier um ein esoterisches Werk handelt.

Halte man diese Informationen nun einmal im Sinn und fügt eine weitere Annahme von mir hinzu, klärt sich sehr schnell, dass Träume eine inspirative Quelle auch für persönliche Forschungen sein können und dass das Manuskript das Zeugnis einer Reise in eine andere Welt repräsentiert. Nicht nur der Entdecker der Antibiotika, sondern auch Thomas Edison, der die Glühlampe erfand, nahm seine Träume zu Hilfe, um seine Forschung voranzutreiben. Andernfalls wären ihre Entdeckungen vielleicht nie gemacht worden. In diesem Fall verhält es sich so, dass in Träumen die Wahrnehmung geschriebener Worte den Träumern einen Streich zu spielen scheint. Ich bin überzeugt, dass dies mit der Wahrnehmung und dem Gehirn zu tun hat. Man könnte sagen, dass Schrift in den Träumen eine eigene Schriftart besitzen, bzw. dass das Gehirn im Träumen auf eine andere Weise funktioniert als im Wachzustand und so Worte und Sätze verfremdend anordnet, obwohl sie Sinn besitzen. Experimente aus der so genannten Split-Brain-Forschung können hier Aufschluss geben. Denn sie ergaben die verrücktesten Ergebnissen, als die Gehirnforscher, u. a. der bekannte Roger W. Sperry (1913-1994), ihre Probanden einigen Wahrnehmungstests unterzogen, während man die Verbindungsbrücke (Corpus Callosum, auch „Balken“ genannt) zwischen den zwei Gehirnhälften abklemmte. Das Gehirn besteht bekanntlich aus zwei Hälften, den so genannten Hemisphären. Die Gehirnforscher geben an, dass beiden Gehirnhälften unterschiedliche Funktionen zukommen:

Linke Gehirnhälfte:

–        Rationalität

–        Sprache

–        Schrift

–        Abstraktion

–        Zeitliches Denken

–        Deduktion usw.

Rechte Gehirnhälfte:

–        Räumliches Denken

–        Gefühl

–        Fantasie

–        Konkretheit

–        Simultanes Denken

–        Intuition usw.

Die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften ermöglicht erst unsere Wahrnehmung, auch wenn sehr praktisch ermittelt wurde, dass die Fähigkeiten der linken Gehirnhälfte dem Menschen bewusster zugänglich sind als die der rechten. Sprache und Schrift kann der Mensch wesentlich bewusster und kontrollierter nutzen als seine Fantasie, die zuweilen mit einem durchgehen kann, oder die Intuition, die Warnungen aussprechen kann, obwohl keine Gefahr zu erkennen ist. Vielleicht erinnert man sich an dieser Stelle an eine Diskussion mit einem Freund, der so schlagende Argumente besaß, dass man nur zustimmen konnte, aber dennoch skeptisch blieb, weil man das unbestimmte Gefühl besaß, dass etwas daran nicht stimmt. Verkaufsgespräche können einen ähnlichen Effekt bewirken, in dem beide Gehirnhälften ergänzend eine Situation beurteilen und durchaus unterschiedlicher Meinung sein können. Menschenkenntnis ist aller Wahrscheinlichkeit vielmehr Aufgabe der rechten Gehirnhälfte. Die linke hingegen kann etwa bei einem Vorstellungsgespräch nur den Lebenslauf der Person beurteilen und darüber spekulieren, ob die Person als neuer Mitarbeiter eingestellt werden soll.

Die Aufteilung der Funktionen der beiden Gehirnhälften wurde durch Tests definiert. Es wurde z.B. bei einer Testperson die Verbindungsbrücke zwischen den Gehirnhälften unterbrochen. (Man bedenke an dieser Stelle, dass diese Verbindung auch mit den Augen gekoppelt ist und über kreuz verläuft, d.h. die linke Gehirnhälfte kontrolliert das rechte Auge und die rechte das linke Auge. Dies sei nur erwähnt, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.) Danach zeigte man Der Testperson eine Leinwand, auf der rechts eine Schere und links ein Löffel abgebildet waren. Dazu wurden ihre Augen mit einem Blendschirm voneinander getrennt, sodass sie mit jedem Auge nur eins der Objekte auf der Leinwand erkennen konnte.

Nun sollte die Testperson die Gegenstände mit Worten zu beschreiben. Die schnelle und erste Antwort war „Schere“. Plötzlich schüttelt die Person den Kopf und fragt gleichzeitig, wieso sie denn nun den Kopf geschüttelt hatte. Indes sollte sie den identifizierten Gegenstand unter einem Tuch verborgen auswählen und hervorziehen. Sie fühlte die Gegenstände ab und zog den Löffel hervor. Dieser Widerspruch löst sich so auf, dass ihre linke Gehirnhälfte den mit dem rechten Auge wahrgenommene Schere sofort benennen konnte. Die rechte hingegen war ihres Kontaktes zur linken nicht fähig und vermag den Gegenstand nicht auszusprechen. Alles, was die Testperson konnte, war auf nonverbale Kommunikation zuzugreifen, d.h. ein Kopfschütteln. Das Fühlen unter dem Tuch war wiederum die Aufgabe der rechten Gehirnhälfte und darum holte sie den Löffel hervor, der vom linken Auge wahrgenommen wurde. Auge und Gehirn sind also unmittelbar miteinander verbunden. Die meisten Menschen sind optisch orientiert und erhalten über ihre Augen den größten Input.

Ein zweiter Test betraf eine junge Frau, der man ebenfalls die Verbindungsbrücke zwischen den beiden Hemisphären unterbrach und ihr unter den gleichen Bedingungen wie in dem ersten Test einige Fragen stellte. So bat man sie z.B. darum, einfach zu lachen. Sie lachte auch sofort, aber als man sie fragte, wieso sie das tue, erfand sie einfach einen Grund, indem sie sagte, dass Anwesende im Raum sehr amüsant wären. Mit dieser Versuchsreihe erkannte Sperry, dass die linke Gehirnhälfte nicht um Ausreden verlegen ist, wenn es ein Gefühl oder eine Handlung durchführt, die es sich nicht erklären kann.

Wie oft sieht man Kinder, die sich im Kreis drehen, herumtoben, Kopfstände versuchen oder anderen Unfug treiben. Sobald man sie fragt, wieso sie das tun, antworten sie meistens, dass es ihnen eben Spaß mache oder äußern, dass sie es eben einfach so tun. Solche Antworten kommen einem sehr bekannt vor, wenn man mehrere Split-Brain-Tests gelesen hat, denn sobald die rechte Gehirnhälfte (über das linke Auge) eine Anweisung erhält, ist sich die linke Hemisphäre dessen einfach nicht bewusst, aber tut es trotzdem! Dies ist der springende Punkt, der sich in dieser Forschung deutlich gezeigt hat. Der Begriff Intuition bekommt hier eine neue Färbung, denn Informationen, die die rechte Gehirnhälfte erhält, werden dennoch verarbeitet, auch wenn die Rationalität sich das nicht erklären, geschweige denn zurückverfolgen kann. Wie viele Handlungen vollführen wir tagtäglich, ohne eigentlich zu wissen, wieso wir es tun? Wie viele Dinge nehmen wir überhaupt nicht wahr, weil uns ein bewussterer Zugriff auf viele der inaktiven Bereiche der rechten Gehirnhälfte fehlt?

Nachgestellte Glyphen Beispiel 1 von J. Dilas

Man kann die Glyphen einmal ganz ruhig betrachten… Man kann versuchen sie zu entziffern, aber unsere Wahrnehmung besitzt nicht die korrekte Anordnung oder Struktur, um diese Worte entziffern zu können. Dabei fällt einem immer wieder auf, dass die Schrift einen gespiegelten Eindruck macht! Doch wenn ich die Schrift in einem Grafikprogramm spiegele, behält sie diesen Eindruck. Für mich ist dies ein erneuter Hinweis dafür, dass unsere Wahrnehmung die Schrift nicht “richtig herum” darstellen kann. Genau dieses Problem taucht auch in den Träumen auf! Die Schrift wirkt unleserlich und “verspiegelt”, so als müsste man sie wenden oder drehen, doch wie immer man es auch handhabt, es bleibt unleserlich.

Vielleicht hilft ein Training innerhalb eines Traumes, so wahrnehmen zu lernen, dass man diese Glyphen lesen kann.

Mit den Versuchen aus der Split-Brain-Forschung möchte ich ganz einfach erklären, dass uns ein bewussterer Zugriff auf unsere rechte Gehirnhälfte fehlt, wenn wir das Voynich-Manuskript aufschlagen und es zu lesen versuchen, ebenso wie uns der bewusstere Zugriff auf unsere linke Gehirnhälfte fehlt, sobald wir innerhalb eines Traumes ein Buch lesen wollen. Man könnte an dieser Stelle sagen, dass wir nicht die Fähigkeit besitzen, das Manuskript zu entziffern, da ein bestimmter Gehirnbereich in unserem Alltag nicht aktiv ist. Wenn mal also das Manuskript zur Hand nimmt, sind wir ebenso unfähig es zu lesen wie es in einem Traum nicht möglich ist. Versuchen wir es trotzdem, ist es so, als habe man die Verbindung unserer Gehirnhälften durchschnitten und wir widersprechen und verfransen uns in Theorien und Annahmen. Natürlich soll dies keine Entmutigung heraufbeschwören und aus diesem Grunde können die Interessierten weiterforschen. Ich wollte an dieser Stelle einfach anmerken, dass uns das Träumen dazu viel mehr Aufschluss geben kann als mathematische Dechiffrierungen, die definitiv nur der linken Gehirnhälfte zuzuordnen sind. Ebenso könnte die Gehirnforschung mehr Aufschluss geben.

Wenn sich eine rationale Herangehensweise in Bezug auf das Voynich-Manuskript immer wieder als vergeblich erwiesen hat, so sollten wir dies der rechten Gehirnhälfte überlassen, bzw. sie wesentlich stärker mit einbeziehen. Die Welt der Träume ist definitiv ein guter Schlüssel, um dies hinzubekommen, aber gewiss gibt es noch andere Wege.

Wenn man sich nun an die Beispielsgrafik Nummer 1 erinnert, möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass es sich bei den nachgestellten Glyphen NICHT um jene aus dem Voynich-Manuskript handelt, sondern um ein aus deutschen Wörtern „vergespiegelter“ Satz. Ich will damit nicht sagen, dass das Voynich-Manuskript aus deutschen „verspiegelten“ Sätzen besteht, sondern möchte nur ein Beispiel anbringen, damit man eine Vorstellung von der Verbindung zur Split-Brain-Forschung und dem alltäglichen Wahrnehmungsmodus erhalten kann. Im Folgenden also die Auflösung für Beispiel 1:

Auflösung „verspiegelter“ Buchstaben von Beispiel 1 von J. Dilas

Sofort erkennt die Wahrnehmung und das Gehirn die Bedeutung dieses Satzes. Zuvor jedoch rätselte es herum und konnte es nicht lösen. Nun mag ein Kryptologe einwenden, dass man Beispiel 1 der verspiegelten deutschen Buchstaben sehr einfach hätte lösen können, aber verhält es sich auch so, wenn u.a. der Buchstabe „p“ im nächsten Wort eine andere Spiegelung besitzt, zumal die Sprache nicht das vertraute Deutsch ist?

Wenn man sich die Kapitel des Manuskriptes nun einmal ansieht und dabei erst nur die Bilder bevorzugt wahrnimmt, spricht man erst einmal die rechte Gehirnhälfte an. Lassen wir die Schrift und die Worte beiseite, ergeben sich in etwa folgende Kapitel:

  1. Ein Kapitel über Kräuterkunde, das zumeist aus nicht identifizierten Pflanzen besteht
  2. Ein Kapitel über Astronomie und Astrologie, mit vielen uns bekannten, aber auch einigen unbekannten Tierkreiszeichen
  3. Ein Kapitel über Anatomie mit vielen unbekleideten, sehr weiblichen Figuren (Müttern?), auch die „Voynich-Nymphen“ genannt
  4. Ein Kapitel mit detaillierten Pflanzenteilen und –blüten
  5. Rezeptzusammenstellungen mit den aufgeführten Pflanzen
  6. Ein weiteres Kapitel über Astronomie bezüglich Sternen und Himmelsphären

Ordnet man diese Kapitel in einem anderen Muster an und fügt sie zusammen, erhält man eines über Kräuterkunde, eines über Astronomie/Astrologie und eines zur Anatomie. Der Aufbau des Manuskriptes kann also auf diese drei Hauptthemen zusammengefügt werden. Geht man dabei mit einer kindlichen Einstellung heran, muss das Buch doch ein Thema behandeln, das diese drei Themen miteinander vereinbart. Was könnten Sternzeichen, Himmelssphären, nackte Damen und Pflanzen gemeinsam haben?

In der Pflanzenkunde gibt es auch einen Forschungszweig der das Wissen der so genannten Kräuterhexen beinhaltet. Empfehlungen dieser Kräuterhexen sind u.a., dass man neue Samen in der Nacht zum Vollmond einpflanzen soll, damit die Pflanzen groß und stark werden. Weitere Empfehlungen wie das nächtliche Ernten verschiedener Pflanzen oder die Vermeidung von Neumond im Umgang mit Pflanzen zeugen bereits von einer Verbindung zwischen Himmelskörpern und Pflanzen. Mit dem Voynich-Manuskript haben wir es mit einer sehr umfangreichen Verbindung verschiedener Elemente zu tun. Nicht nur Himmelskörper in Bezug zu setzen mit Pflanzen, sondern auch mit Sternzeichen. Offensichtlich haben wir es hier mit einem Buch zu tun, das nicht aus unserer Welt stammte, denn allein die Tierkreiszeichen sind nur teilweise identisch mit unseren:

voynich zodiac

Erstellung des Zodiacs der Voynich-Welt nach J. Dilas

Gegenüberstellung der Zodiacs:

Sternzeichen Unsere Welt:

–        Wassermann

–        Fische

–        Widder

–        Stier

–        Zwilling

–        Krebs

–        Löwe

–        Jungfrau

–        Waage

–        Skorpion

–        Schütze

–        Steinbock

Sternzeichen Voynich-Welt:

–        Gemse

–        Fische

–        Widder

–        Aue

–        Zwilling (o. Paar?)

–        Unbekanntes Tier (Ameisen, Flusstiere?)

–        Unbekanntes Tier (Säbelzahntiger?)

–        Jungfrau (ZauberIn?)

–        Waage

–        Unbekanntes Tier (Feuerdrache?)

–        Schütze

–        Steinbock

Manche der Tierkreiszeichen sind im Voynich-Manuskript nicht zu identifizieren, da sie allem Anschein nach unbekannte Tiere sind. Ich habe einige Bilder im Internet entdecken können, die die Voynich-Tierkreiszeichen einfach über unsere bekannten gelegt haben, doch dies kann meiner Ansicht nach nicht zutreffen. Es sind definitiv Unterschiede vorhanden, wenn man sie einmal gegenüberstellt. Allein dass vier Ziegenarten vorzufinden sind, deutet doch darauf hin, dass hier eine andere Tierkreiszeichenfolge vorherrscht.

Wenn man nun einmal bedenkt, dass das Manuskript hier von einer Realität spricht, die den Entwicklungsstand von vor 400 oder gar 700 Jahren widerspiegelt, so kann man sich vielleicht ausmalen, wie diese sich mittlerweile fortentwickelt haben mag. Ich frage mich dann in mancher Stunde, ob diese Welt nicht ebenfalls ein seltsames Manuskript in eins ihrer Vitrinen aufgestellt hat, das niemand entziffern kann und von einer Welt erzählt, die die unsrige ist.

 

Quellen:

Zum Voynich-Manuskript:

Jorge Stolfi, “The Sunflower Story”, Referat 1998

Mik Clarke, „The Voynich Manuscript“, Referat 1997

Traugott Bautz, „Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon”

Daniel Fröschl, „Inventar der Kunstkammer Kaiser Rudolfs II“,  Augsburg 1573 – Prag 1613

Katalogeinträge der Universität Yale, USA, Lateinische Briefe

Katalogeinträge Yale Universität, USA, MS 408, Cipher Manuscript

Archive der Pontificia Universität Gregoriana in Rom, shelfmark APUG 557, fol. 127 „Süddeutsche Zeitung Wissenschaft“, 17. Dezember 2003

„Nature Magazine“ vom 16. Dezember 2003, amerikanische Ausgabe

http://www.voynich.nu, Webseite zur Erforschung des Voynich-Manuskripts

Zur Split-Brain-Forschung:

Birbaumer, Niels und Robert F. Schmidt: Biologische Psychologie. Berlin, Heidelberg, New York: Springer 1996. S. 520ff.

Zimbardo, Philip G.: Psychologie. Berlin, Heidelberg, New York: Springer 1995. S. 135 ff.

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