Vampir Kurzgeschichte

Die Gräfin

(Ein Traum wird zu einer Kurzgeschichte)

Einsth gab es nur die althen Vampire. Sie haben nach Lusth und Lauhne Menschen ausgesaugth und sie einfach auf der Strasze liehgen lassen. Doch vor erst gut 200 Jahren kahmen die neuhen Vampire. Sie beschlossen, sich von den Vorgehensweiszen der Althen zu disthanzieren und moeglichst unauffellig durch das Leben zu wandeln. Die neuhen Vampire waren steths auf der Suche nach Unstherblichkeith, wohingegen es den Althen nur nach Machth und Manipulathion duersthete. Die althen Vampire starben nach und nach aus, weil sie nicht genzlich unstehrblich waren. Ihre Rithuale und Intheressen waren ihr Verhengnisz. Die neuhen Vampire hingegen lernthen schnell, sich von ihren Schwechen zu befreien und schafften es, sich auch am Thage zu bewehgen. Im Weitheren erlangthen sie die Fehigkeit, ihren Bluthdursth in kleinen Menghen zu stillen, Knoblauchdunsth zu widderstehen, ohne dabei Verbrennungen zu erleiden, den Anblick eines Kreuzes zu ertragen und verlohren auch die Panik vor loderndem Feuer. Bis in die heutige Zeith sollen sie unther uns Menschen leben und nach einem Wege suchen, der ihnen die absoluthe Unsterblichkeith verlieh, aber sie sinth gering in ihrer Zahl und versthecken sich vor der Neughier der Menschen, denn sie wussthen, dasz es um sie geschehen war, wenn ihre Existhenz bekannth wurde. Sie hatthen einen Weg gefunden, aber dieser war schwehr und erfohrderte viel Willen und Gedulth, um ans Ziehl zu gelangen. Sie sagthen, dasz alle Menschen den gleichen Weg bewandeln: Richthung Todth… Und das war mitunter ein weitherer trifthiger Grund, warum sie mit den Menschen nichts zu thun haben wollthen. Sie wurden Daywalker oder Halbvampire genannt und lebten bis zum heuthigen Thage unerkannt unther uns…

Es war Mitternacht. Ich wurde mit verbundenen Augen in ein mir unbekanntes Gebäude geführt. Diese seltsame Führung endete in einem Raum, wo man mir die Binde abnahm. Ich sah mich sofort um, damit ich schnell meine Orientierung wiedergewann.

Der kleine Teil des Raumes bestand nur aus einem schmalen Durchgang und einer Säule in der Mitte, die die Decke stützte. Der größte Teil des Raumes jedoch bestand aus einem selbst konstruierten, riesigen Bett, auf dem mehr als zwanzig Personen Platz gefunden hätten.

Ich saß gerade auf der Bettkante, links von mir befand sich die Säule. Meine Füße ruhten auf dem Boden des schmalen Durchgangs. Rechts in der Ecke des Raumes lagen sehr viele schön verzierte Kissen, auf denen die Gräfin es sich gemütlich gemacht hatte. Rechts von ihr befand sich eine ihrer Zofen, nicht einmal zwanzig Jahre alt, reizvoll gekleidet mit einem eng anliegenden Catsuit, der zwar hochgeschlossen war, aber in der Höhe des Brustbeins einen schmalen Spalt besaß, der ihre Brustansätze verführerisch entblößte. Ihre Haare waren blond und kurz geschnitten, ihre Augen funkelten in einem kalten Blau.

Die Gräfin trug ein langes Kleid mit einem v-förmigen Dekolleté und breiten Trägern, die elegant über ihre Schultern führten und in einem breiten Band um den Hals endeten. Auf ihrer großen Brust ruhte ein Amulett, das ich in der Entfernung nicht bestimmen konnte. Sie war etwas fülliger und nicht so schlank wie ihre Zofe, auch schien sie bereits Mitte Dreißig zu sein, was sie aber in ihrer Ausstrahlung und Aussehen keineswegs beeinflusst hatte. Wenn sie lächelte, kamen immer wieder zwei weiße, spitze Eckzähne zum Vorschein, die mein Herz vor Angst rasen ließen. Sobald sich ihr Brustkorb hob, um Luft zu holen, fragte ich mich, ob sie dies überhaupt brauchte oder es nur tat, um mich zu beruhigen, bis sie endlich die Stille durchbrach:

»Du wolltest unbedingt mit mir sprechen?«

»Ja«, antwortete ich.

»Du weißt, wir jagen dich schon lange und wir können dich nicht gehen lassen. Wir werden dich töten müssen. Wir haben so lange auf eine solche Chance gewartet. Die Verluste, die du unserem Kreis zugefügt hast, sind für uns sehr schmerzlich. Das können wir nicht länger dulden!«

Ich nickte, denn ich verstand genau, was sie sagte.

»Es war ein Fehler von dir, zu den Alten zu kommen. Und es war ein großer Fehler, zu mir zu kommen!« sagte sie nachträglich.

»Ich weiß, es mag töricht gewesen sein, zu euch zu kommen, aber hört mich an. Ich bin gekommen, um euch einen Vorschlag zu machen. Wenn ihr mich nun tötet, wird ein anderer kommen und noch unerbittlicher sein. Er wird euch jagen und euren kleinen Kreis vernichten«, begann ich.

Sie zog eine Augenbraue hoch und hob leicht ihren Kopf. Ihr abschätzender Blick wirkte wie ein Scanner, der durch jede Pore meiner Haut zu dringen schien. Sie war eindeutig misstrauisch. Das konnte ich ihr auch nicht verübeln, denn ich hatte viele ihrer Gefährten getötet. Sie waren allesamt Vampire gewesen und konnten meinen Kampfkünsten bisher nichts entgegensetzen. In den meisten Fällen hatte ich zusätzlich stets ein rotes Pulver benutzt, dass sie schwächte und ihre Körper noch verletzlicher machte…

Es war Nacht. Ich wusste, dass sie hier in der Nähe waren. Plötzlich sah ich einen von ihnen. Er stand gerade vor einem blutjungen Mädchen mit langen, blonden Haaren. Ihre blasse Haut schien hell im Mondlicht.

Mit einigen Sprüngen war ich dort, und bevor er seine Zähne in ihren Körper schlagen konnte, ergriff ich sein Haar und riss ihn zurück. Während er in dieser Position für einen Moment einen ungeschützten Hals hatte, schlug ich mit meinem linken Ellenbogen auf seine Kehle. Ihre Körper sind sehr weich und viel elastischer als die unsrigen, darum wurde sein Kehlkopf tief in den Hals gedrückt. Ein Schlag mit der Handkante in Folge trennte seinen Kopf vom Rumpf. Er fiel zu Boden und blieb liegen.
In diesem Augenblick sah ich mich von drei weiteren Vampiren umgeben. Sie jagten manchmal in kleinen Gruppen, damit sie sich das Opfer teilen konnten, denn ein Vampir benötigte höchstens einen Liter Blut, um den nächsten Tag gesättigt zu überstehen.

Der erste kam sofort auf mich zugelaufen und versuchte, mich mit einem Fauchen und der Demonstration seiner langen und spitzen Zähne einzuschüchtern, aber ich wich blitzschnell aus und während ich es tat, schlug ich mit meiner Handkante in seinen Nacken. Es gab einen lauten Knacks und sein Kopf baumelte nur noch von einer Schulter zur anderen, während er daraufhin noch taumelnd zu flüchten versuchte. Dann griff ich nach einem meiner Beutel, in denen sich das rote Pulver befand. In diesem Augenblick kam schon ein weiterer von hinten heran und legte seinen Arm fest um meinen Hals. Er griff mit seiner linken Hand nach meinem Kopf, um ihn zur Seite zu drücken, damit er mich beißen konnte. Immerhin war die blonde Frau mittlerweile erfolgreich geflohen, aber sie hatten sich nun vorgenommen, mich als ihr Nachtmahl zu betrachten.

Ich bewegte meinen Körper einige Male ruckartig nach links und nach rechts, sodass sein Körper mitgedreht wurde, beugte mich dann leicht nach vorn, damit er mit seinem Kopf nachkam und schlug dann unvermittelt mit meiner geballten Rückhand in sein Gesicht, indem ich meinen Arm einfach im Ellenbogen nach oben schnellen ließ. Er schwankte mit eingedrücktem Gesicht nach hinten. Eine schnelle Drehung im Stand und dann warf ich das rote Pulver nach ihm. Er schrie und versuchte das Pulver von sich zu entfernen, aber dann brach er schon zusammen.

Der letzte Vampir hatte dem zugesehen und verhielt sich mittlerweile wie ein verängstigtes Tier. Er schaute mich mit großen Augen an und fauchte immer wieder, gleichzeitig jedoch blickte er nach rechts, weil er sich in dieser Richtung einen Fluchtweg ersonnen hatte. Ich ließ ihn laufen…

»Dein Vorschlag muss sehr gut sein, dass du es wagst hierher zu kommen und dein Leben in Gefahr zu bringen. Es wird mir ein Vergnügen sein, dich hier und jetzt zu töten. Wir sind in der Überzahl und du bist auf meinem Boden, und darum herrschen hier nur meine Zauberkräfte. Das weißt du genau!« sagte sie in einem dominanten Ton.

Vielleicht war das der Moment, in dem sie sich zu wundern begann und ihr eigenes Misstrauen hinterfragte. Es war mir sehr wichtig, ihr ein Angebot zu machen, denn auch unsere Gruppe hatte einige Verluste hinnehmen müssen, außerdem waren mir meine Freunde in den Jahren sehr ans Herz gewachsen und ich wollte nicht, dass auch nur noch einer von ihnen starb. Sie setzten immer wieder ihre Leben für mich ein, weil ich mich dazu entschlossen hatte, die Vampire durchweg auszulöschen. Ich wollte eine Pause, Waffenstillstand, endlich Ruhe.

»Nun gut«, meinte sie plötzlich, »ich bewundere deinen Mut und aus diesem Grund möchte ich dich auch anhören.«

»Ich bin gekommen, um euch ein Angebot zu machen. Ihr seid nur noch wenige und müsst euch von unseren Angriffen erholen. Ich verspreche euch, keine Vampire mehr zu jagen und mich nur noch zu verteidigen, wenn einige von ihnen einen Angriff auf mich oder meine Mitstreiter starten. Dafür müsst ihr mir euer Wort geben, eure Jagden einzustellen und euch fortan unauffällig zu verhalten. Natürlich könnt ihr nicht ohne Blut leben, darum erkläre ich mich bereit, euch Menschen zukommen zu lassen, die sich nicht gegen ihren Willen aussaugen lassen wollen. Es sind Freiwillige. Ich kenne einige von ihnen, die unbedingt Vampire werden wollen.«

Ihr Blick wurde eiskalt. Sie lächelte arrogant, aber mein Gefühl verriet mir, dass sie trotzdem über mein Angebot nachdachte. Anscheinend wollte sie nur das Gefühl haben, sie habe weiterhin die Kontrolle über alles.

»Das Angebot wird von uns akzeptiert«, sagte sie überraschend, »aber mit einer Bedingung…«

Sie nickte ihrer Zofe zu und sie kroch nun langsam über das riesige Bett. Immer näher kam sie an mich heran und näherte sich Meter für Meter von links. In diesem Moment erkannte ich sie. Es war eine Frau, die ich einmal geliebt hatte. Sie war zu ihnen übergelaufen. Die Gräfin musste es gewusst haben, wie immer sie das auch erfahren hatte.

Ihre Ausstrahlung war so hocherotisch und lähmend, dass ich nicht in der Lage war, mich zu rühren und konnte nur wie gebannt jede einzelne ihrer Bewegungen verfolgen. Es war ihr Boden und ihre Kräfte wirkten unnachgiebig.

Sie war nun nah bei mir und ihre Ausstrahlung war so deutlich fühlbar, so intensiv, dass ich augenblicklich in Erregung geriet und zu Stöhnen begann. Irgendwo tief in mir versuchte sich ein Teil meiner selbst zur Wehr zu setzen, aber ich konnte dem nichts entgegensetzen.

Nun spürte ich ihre Zunge an meinem linken Arm. Sie glitt vom Oberarm tiefer und tiefer, bis zur Hand und dann weiter zu meinem Bein. Von dort aus zu meinem rechten Bein und zur rechten Hand, bis hin zu meinem Mittelfinger. Sanft leckte sie ihn, führte ihn in ihren Mund, saugte daran, bis ich plötzlich nicht mehr ihre Zunge, sondern einen ihrer Eckzähne spürte. Sie ritzte gekonnt ganz sachte meinen Finger an.

Ich fühlte, dass sie am liebsten ihre Zähne in mein Fleisch gegraben hätte, aber ein zischender Laut der Gräfin rief sie zurück. Langsam kroch sie rückwärts die Strecke zurück, die sie auch gekommen war.

Ich konnte mich nun wieder bewegen und riss sofort meine rechte Hand vor meine Augen, um zu sehen, wie tief der Biss gewesen war, aber es war wirklich nur ein haarfeiner Spalt. Ich befürchtete, dass es bluten würde, denn dann würde ich einer von ihnen werden, aber es geschah nicht. Ich fürchtete mich davor, denn sobald man ihren Angriff überlebte, setzte sich der Vampirbiss wie ein Virus im Blut fort und machte das Opfer zu einem von ihnen.

Als ich zur Gräfin blickte, sah sie mich mit einem unheilvollem Lächeln an, als wollte sie sagen, dass ich nun zur Hälfte einer von ihnen wäre…

Mir wurden erneut die Augen verbunden und ich wurde von diesem Ort fortgeführt. Mir war sehr schwindelig und ich sackte mehrere Male ein. Der Biss hatte mich sehr mitgenommen. Ich brauchte mehrere Tage, um mich davon zu erholen. In dieser Zeit entwickelte ich eine sonderbare Abneigung gegen grelles Licht und lauten Geräuschen. Ich wollte mich dennoch weiterhin regelmäßig mit meinen Helfern treffen, um ihnen von der Begegnung mit der Gräfin zu erzählen. Wir trafen uns zum Sonnenuntergang im Einkaufszentrum einer Stadt. Eilig begrüßten wir uns und bevor ich die Neuigkeiten verkünden konnte, tauchten einige Vampire auf, die sich vielleicht zwanzig Meter vor uns aufgebaut hatten. Sie schienen es auf uns abgesehen zu haben. Innerlich schmunzelte ich darüber, denn sie bräuchten schon mehrere, um uns zu besiegen.

Kaum war dieser Gedanke zu Ende gedacht, tauchten aus einer anderen Richtung noch weitere auf. Ich spürte, dass wir in eine Falle geraten waren. Vielleicht waren die Worte der Gräfin doch nicht ehrlich gewesen und sie hatte unsere Sicherheit nun ausgenutzt, um uns allesamt mit einem Schlag zu töten, aber dann fiel mir ein, dass der Handel so war, dass ich ihr nicht gesagt hatte, dass sie uns nicht angreifen dürfte. Immer mehr Vampire erschienen und umringten uns, damit wir nicht fliehen konnten.

Wir nickten uns zu und teilten uns auf. Der Kampf begann…

Vielleicht mehr als hundert Vampire hatten sich nun versammelt und griffen uns gleichzeitig an. Sie bewegten sich sehr flink und in kürzester Zeit war ich von vier Vampiren umringt. Der erste stürmte schreiend auf mich zu, seine Hände klauenförmig erhoben, bereit, mir das Gesicht zu entstellen. Doch bevor er dazu kam, duckte ich mich, dass er ins Stolpern geriet und über mich hinwegflog.

Blitzschnell holte ich mein Pulver unter meinem langen Mantel hervor und warf es in seine Richtung. Es landete auf seinem Rücken und als er die beißende Wirkung verspürte, versuchte er es sich verzweifelt abzuklopfen, doch dann besaß er nicht mehr die Kraft, sich auf den Beinen zu halten. Langsam zersetzte ihn das Pulver.

Der nächste Vampir, der sich auf mich konzentriert hatte, setzte zum Sprung an und kam rasend schnell auf mich zugeflogen. Mit einigen Sätzen sprang ich zurück und vergrößerte die Distanz zwischen uns. Sein Sprung wurde somit zu kurz, und als er wieder auf dem Boden aufkam, warf ich ihm das Pulver direkt ins Gesicht.

Ein flüchtiger Seitenblick zu meinen Mitstreitern verriet mir, dass sie ebenfalls sehr beschäftigt waren. Doch bevor ich die Situation weiter einschätzen konnte, kam bereits der nächste Vampir heran. Gleichzeitig stürmte ein weiterer von der anderen Seite auf mich zu.

Plötzlich löste ich mich von meinem Körper. Ich glitt höher und höher und befand mich nun ungefähr fünfzig Meter hoch in der Luft. Von dort sah ich das Unfassbare. Bestimmt mehrere hundert Vampire hatten sich versammelt, um uns zu töten. Es waren weitaus mehr, als wir angenommen hatten und sie schienen sich für diesen Tag verbündet zu haben, um ihre größte Bedrohung auszuschalten. Sie hatten uns nun umringt und zu meinem Erschrecken erkannte ich, dass fast alle meiner Freunde bereits gestorben waren. Nur noch einen von ihnen konnte ich sehen, wie er sich mit dem Pulver tapfer zur Wehr setzte…

Als ich wieder in meinem Körper war, dieser Vorgang hatte kaum den Bruchteil einer Sekunde gedauert, um mir all diese Informationen zu vermitteln, stellte ich mich in eine günstige Kampfposition, das Pulver in beiden Händen, wartend, dass sie den nächsten Schritt machten.

Die beiden Vampire hatten ihren Angriff abgebrochen und auf Verstärkung gewartet. Nun war ich gewiss von mehr als zwanzig Vampiren umringt. Niemand von ihnen wagte es anzugreifen, bis ich einen lauten Schrei meines letzten Helfers hörte. Ich weiß nicht, ob er gestorben oder ihm die Flucht gelungen war, aber ich beschloss, dieses Schlachtfeld zu verlassen.

Mit einem Satz preschte ich nach vorn in den Pulk an Vampire vor mir und warf das Pulver zu ihnen hinüber. Sie sprangen panikartig zur Seite, bis ich es tatsächlich geschafft hatte, eine Lücke in ihre Reihen zu schlagen. Mein Körper hatte dabei sehr viele Schläge und Wunden einstecken müssen, aber niemand der Vampire hatte es geschafft, mich mit ihren Zähnen zu verletzen. Mir gelang die Flucht. Ich hoffte, dass meinem Freund die Flucht ebenfalls gelungen war. Traurig blickte ich zurück. Meine besten Helfer. Sie sind in diesem großen Kampf gestorben.

Ich hatte diesen Ort längst vergessen, doch in meiner größten Not erinnerte ich mich wieder an ihn. Es war ein verstecktes Haus, einer Kapelle gleich. Als ich es betrat, erinnerte ich mich wieder an die Bilder an den Wänden, dem riesigen Saal und der sehr hohen Decke unter einem Kuppeldach. Es war das Haus, in dem ich geboren und ausgebildet worden war. Die Erinnerungen verstärkten sich, denn nun sah ich die Treppe, die einen Stock höher führte.

Plötzlich ertönte eine mir bekannte Stimme:

»Sei gegrüßt. Ich freue mich, dass du den Weg zu mir wiedergefunden hast.«

Als ich mich umdrehte, sah ich einen alten Mann, der oben am Treppengeländer stand. Er ging um das Geländer herum und bewegte sich zur Mitte der Ebene im ersten Stock. Ich konnte ihn sehen, weil dort keine Wand mehr meine Sicht versperrte.

Er stützte sich auf dem Geländer ab und blickte zu mir hinunter.

»Ich hatte damit gerechnet und dich jeden Moment erwartet,« sprach er weiter, »und aus diesem Grund habe ich beschlossen, dir zu helfen. Ich werde dir eine neue Gefährtin zur Seite stellen. Mit ihr kannst du eine neue Gruppe gründen und im Kampf gegen diese Wesen erfolgreicher denn je sein. Auch habe ich ein neues Pulver für dich, das noch effizienter ist, damit du sie noch schneller und zielsicherer töten kannst. Ich habe dich geschult und du hast bis jetzt überlebt…«

In diesem Moment stieg das erste Mal Zweifel in mir auf. Er hatte mich ausgebildet, damit ich all diese Vampire unerbittlich in den Tod trieb, aber niemals hatte ich unsere gemeinsamen Motive hinterfragt. Vielleicht hatte er mich ein Leben lang darauf vorbereitet und mich mit dementsprechenden Lehrsätzen erzogen, solange, bis ich die Vampire als Feinde betrachtete?! Gedrillt und unter Hypnose gesetzt, seinen Rachefeldzug gegen die Vampire erfolgreich weiterzuführen, weil er zu alt geworden war. Vielleicht, so dachte ich im nächsten Moment, kamen diese Gedanken von einer neuen Seite in mir, welche durch den Biss meiner einstigen Verliebten langsam in meinen Geist eingeflossen war und nun meine dunkle Seite verstärkte. Ich war mir meiner selbst nicht mehr sicher.

Dann wandte er sich plötzlich nach rechts. An der Wand befand sich ein goldener Sarg mit unbekannten Verzierungen darauf. Er öffnete sie und meinte, dass hier meine neue Begleiterin enthalten sei. Ich konnte für einige Augenblicke leider nur ihren schlanken Körper, aber in der Dunkelheit nicht ihr Gesicht erkennen.

»Mit dieser Begleiterin wirst du siegreich sein!« rief er mir zu, während ich mich ihm näherte.

Ich lauschte seinen Worten, doch wusste ich nicht, was ich darauf zu antworten hatte. Auf der einen Seite fühlte ich den Durst nach Rache für meine Freunde, aber auf der anderen Seite das Unverständnis, ob ich nicht doch mein Leben lang für die falsche Seite gekämpft hatte…

(Copyright Jonathan Dilas)

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