Jonathan Dilas Kurzgeschichten Stories out of Dreams

"Die Matrix" - Film, Kult Symbolismus und Betrachtungen

(erstellt von Jonathan Dilas, www.matrixseite.de, 2003)

 

Neben Action, Geballere und Special-Effects bietet der Film „Die Matrix“ auch einen hochwertigen Symbolismus neo-philosophischer Art, der überwiegend die Jugend, Computerfreaks, Science-Fiction-Fans und auch Esoteriker anspricht. Die folgenden Erläuterungen zum Symbolismus dieses Films sind vermutlich nur verständlich, wenn der Leser den Film der WACHowski-Brüder auch gesehen hat.

Die Matrix“ ist in jedem Fall eine moderne Interpretation jener esoterischen Lehren, die sich auf das Wissen verschiedener Philosophien, des fernen Ostens und der Religion stützt. Eine moderne Variante, die ein ganz neues Verständnis und gleichzeitig einen neuen Schlüssel für eine Bewusstseinserweiterung individuellen Bewusstseins bietet. Gewiss ist dieser Film mit Special-Effects und Action aufgemotzt worden, doch nicht zuletzt, um so viele Menschen wie möglich anzusprechen und die Vermittlung der Symbolinhalte unterhaltsam und spannend zu präsentieren. Es wirkt beinahe wie ein aufbereiteter Werbefilm für aktiv forschende Esoteriker, zur Einführung oder auch zum Aufbau bereits erlangten inneren Wissens.

Dieser Essay bietet daher die Möglichkeit, die Matrix-Trilogie aus einer philosophischen und auch von der Metaebene aus zu betrachten, um Hinweise zu erhalten und Symbole zu betrachten, zu entschlüsseln und zu lernen. 

"Ich will ehrlich mit ihnen sein - die Wahrheit sagen.
Ich hasse diesen Planeten, diesen Zoo, dieses Gefängnis,
diese Realität, wie auch immer man dazu sagen mag.
Ich halte es nicht länger aus.
Vor allem den Geruch, falls so was existiert.
Ich bin seiner sozusagen überdrüssig.
Ich kann riechen, wie sie stinken.
Und jedes Mal, wenn ich es rieche,
fürchte ich mich infiziert zu haben.
Es ist abstoßend, finden sie nicht?
Ich muss hier irgendwie raus.
Ich will endlich frei sein."
(Agent Smith zu Morpheus in „Die Matrix“)

Die Story – zur Erinnerung

Der Hauptdarsteller Thomas Anderson besitzt eine Doppelidentität, denn er ist in seinem Alltag Softwareentwickler und in seiner Freizeit Neo der Hacker. Er entdeckt mit der Hilfe eines gewissen Morpheus (gleichnamig mit dem griechischen Gott der Träume), dass er sich im Jahre 1998 nur in einer computersimulierten Scheinwelt befindet und aus dieser in Kürze befreit würde, um in einer anderen Realität zu erwachen. Diese von unzähligen Maschinen beherrschte Welt, in welcher der Mensch Sklave dieser anorganischen Gerätschaften ist, in dem er schlafend in Eier ähnlichen Hüllen die Matrix träumt, werden Menschen als Energielieferant missbraucht und mit einer Batterie gleichgesetzt.

Gemeinsam mit Morpheus Freiheitskämpfern versuchen sie auch die anderen Menschen nach und nach zu erwecken und gleichzeitig in dieser fremden, neuen und für sie nun wahren Realität zu überleben. Sie versuchen eine Möglichkeit zu finden, diese Maschinerie zu besiegen. Ein völlig aussichtsloses Unterfangen, denn die Maschinen sind definitiv in der Überzahl, doch gibt es für einige Rebellen den Mythos eines Auserwählten (The One = Der Eine, der Ganze), der die Menschen aus dieser Sklaverei befreien wird und Hoffnung vermittelt. Morpheus ist davon überzeugt, dass Neo (Anagramm: One) der Auserwählte ist und befreit ihn aus seiner simulierten Realität.

Diese simulierte Realität, genannt Matrix, wird jedoch von Agenten kontrolliert, die jeden unerlaubten Zutritt der Rebellen zu verhindern versucht. Sie besitzen übermenschliche Kräfte und sind viel zu große Gegner, um sich direkt mit ihnen zu konfrontieren. Neo entwickelt jedoch ebenfalls solche übermenschlichen Fähigkeiten durch Morpheus Training und Unterweisung, sodass er sich tatsächlich als der Auserwählte herausstellt.

Religiöse Symbolik

Zu Beginn des Films sieht man Neo, wie er vor dem Computer eingeschlafen ist. Einige Computerfreaks klopfen an die Tür und möchten eine bestellte Daten-CD von Neo in Empfang nehmen, die vermutlich gehackte Inhalte besitzt. Der Mann an der Tür äußert, dass Neo sein Retter und Erlöser sei. Dies bezog sich für ihn auf die Beschaffung der Daten, doch anders interpretiert ist dies, neben Neos Namen und Doppelidentität, der nächste Hinweis. Es wird im Verlaufe der Trilogie immer wieder ein Zusammenhang zu Jesus aufgebaut.

Neo glaubte nicht wirklich, dass er der Auserwählte war und besaß Zweifel. Hier sieht man eine Verbindung zum ungläubigen Thomas (Anderson), dem Apostel Jesus, der ebenfalls seiner Berufung misstraute.

Im Weiteren verrät Cypher, ein Mitglied der Crew, Morpheus und Neo an die Agenten, ebenso wie Judas Jesus verraten haben soll.

Beide wollten die Welt aus ihrer Gefangenschaft befreien, bzw. erlösen. Und so wie Jesus von den Toten auferstand, so erwacht auch Neo im Showdown des ersten Matrix-Teils von den Toten, nachdem ihn die Agenten erschossen hatten. Nach dieser Auferstehung (Erneuerung, Neo=Neu) erkennt Neo seine wahren Fähigkeiten in der Matrix. In der letzten Szene fliegt Neo innerhalb der Matrix gen Himmel (sogar in der Position eines Gekreuzigten), Jesus stieg seinerzeit zum Himmel auf (Christi Himmelfahrt).

Nebukadnezar, das Schiff der Rebellen, ist in seiner Bezeichnung einst ein König in Babylon gewesen und Zion ist eine Stadt, in der noch Menschen leben sollen, die niemals zur Energieversorgung der Maschinen gedient haben und keine Merkmale dieser Nutzung aufweisen. Eine Stadt, in der die Menschen frei leben und von der aus sämtliche Rebellenoperationen ausgehen. Zionisten sind aber auch Juden, das auserwählte Volk Gottes laut der Bibel. Es ist auch eine Bezeichnung für Jerusalem. Trintiy, eine weitere zentrale Person des Films, die sich in Neo verliebt, wird als Dreieinigkeit übersetzt. Die Zahl drei findet sich in vielen Philosophien und in der Esoterik wieder, so wie Körper, Geist, Seele oder Vater, Sohn, Heiliger Geist, Gestern, Heute, Morgen, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft usw. Sie machte die Verbindung und das Treffen zwischen Morpheus und Neo erst möglich. Trinity wird in einer Szene erschossen und Neo belebt sie mit seinen Kräften als Auserwählter wieder (Parallele: Jesus erweckt Lazarus von den Toten).

Symbolische Namen

Morpheus:

Morpheus (Gott der Träume, griech. Mythologie) bietet Neo zu Anfang seines Erwachens eine rote und eine blaue Pille an, Erstere wird Neo die wahre Realität zeigen, aber letztere würde sein altes Leben wiederherstellen, ihn im Bett erwachen lassen und glauben machen, dass all die bisherigen Erlebnisse nur ein Traum gewesen sind. Ähnlich geschieht es mit jedem Menschen, der jeden Morgen immer wieder aus seinen Träumen erwacht und seine nächtlichen Erlebnisse ihm wie Schattenbilder aus unbekannten Welten erscheinen. Morpheus dient als Symbol für das träumende Selbst, so wie man auch in einigen Comics den Sandmann als Synonym für Morpheus verwendet, welcher ebenfalls mit den Träumen assoziiert wird („Mr. Sandman, bring me a dream…“).

Agent Smith:

Der Agent steht für das Hindernis in der Entdeckung der eigenen Fähigkeiten, aber kann auch als Freund jener dienen, die sich für die blaue Pille entschieden haben. PC-Computer besitzen ebenfalls einen Agenten, der im Hintergrund Hilfestellungen gibt und Routinen erledigt.

Thomas/Neo:

Neo heißt in seinem Alltagsleben Thomas Anderson und ist Büroangestellter. Thomas ist ein hebräischer Name und bedeutet „Zwilling“. Anderson könnte ein Hinweis auf Sohn (-son) sein. Im Englischen wurde Neo als „The One“ vorgestellt, im Deutschen jedoch als „Der Auserwählte“ übersetzt. „The One“ kann jedoch auch „Der Eine“, oder „Der Ganze“ bedeuten. Durch seinen ersten Kampf mit Agent Smith drang Neo in ihn ein und ließ ihn implodieren. Später tauchte Agent Smith wieder auf und teilte Neo mit, dass er seitdem einen Teil von ihm in sich habe. Es wirkt ganz so, als sei diese Begebenheit so ausschlaggebend gewesen, dass Smith nun ein Teil von Neo war. Um Eins zu werden (One), muss man sich erst einmal als geteilt erfahren.

Cypher:

Als Mitglied der Crew verrät er sie für ein angenehmes und schönes Leben in der Matrix, da ihn der Ort des Todes und der Unterschied zwischen der wahren oder simulierten Realität nichts mehr bedeutet, sondern nur die Wahrnehmung und das Erleben an sich. Er bereut, dass er durch Morpheus Hilfe aus der Matrix erwacht ist und sich für die rote Pille entschieden hatte.

Trinity:

Die Dreieinigkeit, die Anima, das Gegenstück zu Neo, die Liebe, das innere Band zwischen zwei Menschen, das ergänzende Stück, das Bindeglied zwischen zwei Selbsten, die ein Drittes erschaffen.

Das Orakel:

Mutter Maria, die Wissende, die Hellsichtige, Neos Lehrerin und Ratgeberin. Das berühmte „Orakel in Delphi“ in der sixtinschen Kapelle wird mit einem grünen Oberteil und einem orangenfarbenen Rock abgebildet. Gleichfarbige Kleidung trägt Das Orakel in „Die Matrix“ ebenfalls. Anhand solcher liebevollen Details kann man sich vielleicht deutlicher vorstellen, mit welch Obacht Hinweise und Symboliken maßgeschneidert eingearbeitet worden ist.

In den weiteren zwei Teilen des Films (Sequels) trifft man auf neue Charaktere:

Seraph:

Der Beschützer des Orakels, der Wächter, der Torhüter. Ein Seraphim ist ein Engel, der als Mischwesen bezeichnet wird mit sechs Flügeln und in der Bibel dem Propheten Jesaja begegnete. Laut der Bibel ist Seraphim der höchste Rang von Neunen, die ein Engel erhalten kann (siehe: Jesaja 6,1-7). Seraphime erschienen stets nur Heiligen, somit kann davon ausgegangen werden, dass Das Orakel eine Heilige ist (Heilige Maria).

Der Architekt:

Der Designer, der Programmierer der Matrix. Im Film erscheint er so, wie man sich als Kind Gott vorstellte, mit weißem Bart und einem hellen Anzug, ruhig und erklärend. In seiner Umgebung befinden sich Hunderte von Monitoren, die verschiedene Schauplätze auf der Erde (Matrix) zeigen. Gottes Augen sind überall. Der viel umstrittene und gehaltvolle Dialog in dieser Szene zwischen Neo und dem Architekten ergab stets viele Kontroversen in seiner Deutung für die Philosophen unter den Matrixfans. (Wer sich für diesen Dialog interessiert, siehe unter http://www.starhtml.de/matrix/rel_16architekt.htm nach.)

Merowinger:

Ein undurchsichtiger, durchtriebener Franzose, der den letzten Reset der Matrix mithilfe von Tricks und Schlichen überlebte. Er führt eine Gruppe von Personen an, die sich diese von den Programmieren, bzw. Maschinen, ausgelösten Neustarts der Matrix zu entziehen wissen. Sie haben Türen entdeckt, mit denen sie von einem Ort zum anderen Reisen können, so genannte Backdoors, die sich Programmierer stets offen lassen, um bei unvorhergesehenen Problemen trotzdem Zugang zu ihrem System zu bekommen. Die Freiheitskämpfer betreten Merowingers Reich, das dem Zuschauer wie Sodom und Gomorra oder gar als Hölle mit ihren Lastern dargestellt wird. Ebenso trägt er einen Anzug, der auf eine symbolische Gleichstellung mit Luzifer deuten könnte. Auch seine Flüche sind sehr brisant und schockierten wohl nur Zuschauer mit guten Französisch-kenntnissen (Nom de dieu de putain de bordel de merde de saloperies de connards d'enculés de ta mère. [zu deutsch: Beim Namen des Gottes, der Hure, des Puffs, der Scheiße, des Drecks, des Trottels der deiner Mutter den Arsch kaputtfickt.]). Merowinger entpuppt sich später als Neos Vorgänger, der jedoch versagt hatte und vor seiner Löschung zu fliehen wusste.

Die Matrix - Wachowskis

Das Interessante an Merowinger ist der erneute Bezug auf die Religion, denn in manchen Schriften wird behauptet, dass Jesus mit Maria Magdalena ein Kind zeugte. Das Geschlecht der Merowinger bezeichnet sich als französischer Hochadel, der das Blut Jesu Christi in sich trägt und direkt von Maria Magdalena abstammte. Seine  Abstammungsgeschichte ist amtlich bis ins Jahr 420 n. Chr. („Chlodio der Langhaarige“, Herrscher über Franken von 428-447 und Sohn Merowech) zurückzuverfolgen.


Persephone:

Die undurchsichtige Begleiterin Merowingers mit dem Namen Persephone (Tochter des Zeus, vorolympische Göttin der Fruchtbarkeit, der Toten und der Unterwelt), die ein Auge auf Neo geworfen hat und sich von der Liebe zwischen Neo und Trinity sexuell angeregt fühlt. Sie wirkt wie eine dunkle Figur, die vermutlich verantwortlich für das Erscheinen der Vampire im dritten Teil der Matrix-Trilogie ist. Ihre Namensvetterin aus der griechischen Mythologie und der Hinweis auf eine Existenz vor dem Olymp soll an dieser Stelle vermerkt sein, denn sie ist ebenso wie Merowinger eine Überlebende der neu gestarteten Matrix, das normalerweise jeden Menschen (Programm) innerhalb der Matrix löscht. Ihr ständiger Wunsch, Personen zu küssen, kann ebenfalls ein Hinweis auf eine energetischere Variante des Vampirismus sein, zumal die Maschinen ebenso nichts anderes tun, als den Menschen elektrisch zu verwerten.


Der Schlüsselmacher:

Er spielt den Schlüsselfabrikanten, der Neo das Werkzeug in die Hände gibt, mit dem er die Hintertüren (Backdoors) der Matrix nutzen kann. Das Orakel und auch der Merowinger sind ebenfalls im Besitz solcher Schlüssel. Sie ermöglichen es ihnen die Matrix zu überleben, sobald diese neu gestartet wird.

Die Stadt Zion:

Zion ist die Stadt, in der die Freiheitskämpfer und Rebellen leben. Sie wird von den Menschen als Paradies und Zufluchtsstätte betrachtet, da sie frei von intelligenten und Menschen verachtenden Maschinen ist. Sie ist auch ein Begriff aus der Bibel, eine Stadt, die als einzige von Gott verschont werden sollte, nachdem er die Erde zerstören würde. (links: Eine alte Postkarte des Zionisten E.M. Lilien).


Versteckte Symboliken und Hinweise im Film

Erstaunlich sind die vielen und nahezu endlosen Hinweise in den drei Matrixfilmen. Darunter finden sich symbolische Filmsequenzen, die Neo in einer sehr fortschrittlichen Art und Weise mit den biblischen Geschehen rundum Jesus befassen, aber auch versteckte Hinweise in Form von Personennamen, Zimmernummern, Hochhausetagen, Autoschilder u.v.m.

Z.B. ist der Wagen von Agent Smith mit der Autonummer „IS 5416“ versehen. Dies ist ein Kürzel für einen Psalm „Isajah 54:16“ in dem geschrieben steht:

"Siehe  (sagt Gott, Anm. des Autors), ich schuf den Schmied (engl.: Smith), der die Kohlen im Feuer anbläst, und dies erbringt uns ein Instrument seiner Arbeit; und ich erschuf den Verschnitt zur Zerstörung.“

Da die Bibel in verschiedenen Übersetzungen existiert und sich stets über die Bedeutung und Formulierungen gestritten wurde, heißt es auch:

„Achte, ich erschuf den Schmied (engl.: Smith), der die Kohlen im Feuer anbläst und eine Waffe für seine Zwecke erstellt. Ich habe ebenso die Verwüstung geschaffen.“

Das Interessante an diesem Auszug ist, dass „Schmied“ im Englischen auch „Smith“ bedeutet und somit wortwörtlich in diesem Psalm vorzufinden ist! Man könnte dies natürlich auch ganz anders übersetzen, falls es den Psalm ursprünglich in der englischen Sprache gegeben hätte. Interessant wäre es an dieser Stelle einmal die Originalschrift zu betrachten.

Trinitys Auto besitzt die Autonummer PS 356, Liest man den entsprechenden Satz dazu findet man in Psalm 3, 5-6:

Ein weiteres Auto von ihr, der gefahren wurde (über den Freeway mit der Nummer 101), trägt das Autoschild „DA 203“. Da wird man schnell fündig bei “Daniel, 2:03“:

Und der König unter ihnen sagte: Ich habe einen Traum geträumt… und mein Geist war zu verwirrt, den Traum zu erkennen.“

Der Zusammenhang ist der, dass der König von Babylon (Nebuchadnezar der II., das gleichzeitig den Namen des Schiffes in „Die Matrix“ darstellt, in dem Neo zum ersten Mal erwachte), diese Frage an seine Astrologen stellte. Sie antworteten ihm, dass es schwer sei diesen Traum zu interpretieren, da sich selbst der König nicht an ihn erinnern könne. Daniel trat jedoch mit einer Interpretation von Jahwe hervor, die ihn dazu bevollmächtigten soll, die Juden aus Babylon zu befreien.

“Ich liege und schlafe, und ich erwache wieder, weil der Lord mich aufrecht hält. Ich werde die Zehntausende nicht fürchten, die an jeder meiner Seite gegen mich aufmarschiert sind.“

Die „Zwillinge“, Schergen des Merowingers, fuhren in einem Auto mit dem Nummernschild „DE 2852“. Im Deuteronomium 28:52 findet man:

“Er (Jahwe) besiege sie an all ihren Toren, bis die hoch gezogenen Mauern fallen werden, denen sie so vertrauen, hindurch all ihrer Länder, und er soll sie an all ihren Toren in allen Ländern besiegen, die ihnen der Lord gegeben hat.“

Moses verkündet an dieser Stelle, dass dies den Juden widerfahren wird, wenn sie den Gesetzen Jahwes nicht folgen würden.

Ein weiterer Wink stellt die Aufschrift des LKWs dar, auf dem der Agent mit Morpheus kämpft, während der aufwendig inszenierten Verfolgungsjagd auf dem Freeway. Dort sieht man die Aufschrift „OTO Transport“. OTO ist eine Abkürzung und Bezeichnung für den Geheimbund „Ordo Templi Orientis“, der seinerzeit von dem Magier Aleister Crowley gegründet wurde. Es soll hier auch eine Verbindung zur Kabbala geben, der Schrift der Magier, aber habe dies nicht weiter verfolgt.

Jeder Zuschauer ist mit dieser höchst modernen Trilogie aufgefordert, seinen inneren Geist zu erforschen und damit zu beginnen aufzuwachen. Der Film endet mit dem Song „Wake up“, von der Gruppe Rage against the Machine, und nicht nur die vielen Hinweise auf die Bibel sondern auch den Buddhismus sind unübersehbar. Dabei denke man z.B. an die Begegnung mit dem kleinen Jungen, der vor Neos Augen den Löffel verbiegt. Das Wort „Buddha“ bedeutet Erwachter und symbolisiert das Erwachen des Geistes in der wahren Realität. Doch finden wir auch Hinweise auf die griechische Mythologie und vor allem zum Christentum und in der Bibel.

In einem Interview wurde Andy Wachowski danach gefragt, ob es in „Die Matrix“ Bezüge zum Buddhismus gibt, antwortete er: „Ja. Es gibt etwas einzigartig Interessantes im Bezug auf Buddhismus und Mathematik, auch der Quantenphysik, und vor allem dort, wo sie sich begegnen. Dies hat uns eine lange Zeit fasziniert!“

Interessanterweise war der erste Teil von „Die Matrix“ im Jahre 1999 erschienen, dem Jahr des Hasen. Neos Abenteuer begann, als er neben seinem Computer erwachte und auf seinem Monitor die geheimnisvolle Botschaft „Folge dem weißen Hasen“ las; eine Anspielung auf Alice im Wunderland. Eine weitere Parallele ist die Zimmernummer von Neo, als einige Freunde die erwähnte Daten-CD abholten: Nummer 101, und der Name Agent Smith. In Georges Orwells Buch „1984“ heißt eine der Hauptfiguren nämlich Winston Smith, der in Zimmer 101 wieder „bekehrt“ wird, damit er sich dem System zukünftig fügt, nachdem er sich davon losgerissen hatte. Neo erwacht zu Beginn des Films in Zimmer 101. Man könnte vielleicht sogar mutmaßen, dass Neo hier nicht das erste Mal vor seinem Computer erwacht war, weil er sich in seinen Träumen oder gelöschten Erlebnissen entweder für die blaue Pille entschied oder die Matrix gerade eben sogar neu gestartet wurde und die Geschichte des Auserwählten an dieser Stelle beginnt, so wie auch für den Zuschauer die Geschichte hier seinen Anfang findet.

Bezüglich des Merowingers gibt es ebenfalls einiges zu verknüpfen, denn wie bereits erwähnt, wähnt sich das hochadelige Geschlecht als Nachkomme Maria Magdalenas. Ebenso wird behauptet, die Merowinger seien mit einem 1000 Jahre alten Geheimorden mit dem Namen „Prieuré de Sion“ (Die Weisen von Zion) eng verquickt. Während die Templer im Jahre 1314 aufgelöst wurden, soll dieser Geheimbund noch heute aktiv sein. Sie behaupten nicht nur im Besitze von klaren Beweisen zu sein, dass Jesus Christus die Kreuzigung überlebt hat (dessen Ansicht ich durchaus teile), sondern die bekannten Autoren Michael Baigent, Richard Leigh und Henry Lincoln, des Buches, behaupten darüber hinaus in ihrem Buch „Der heilige Gral und seine Erben“, dass Jesus ein Nachkomme des biblischen Königs David gewesen sei und somit Anspruch auf den Thron besaß. Die Autoren beschreiben in ihrem Buch, dass die Geliebte Jesu’ mit der Familie Zuflucht im Süden Galliens fand. Dort breitete sich das Geschlecht in einer jüdischen Gemeinde aus. Im 5. Jahrhundert soll sich die Familie durch eine Heirat mit einer königlichen Linie der Franken verbunden und somit die Dynastie der Merowinger gegründet haben. Gerüchte besagen, dass einst die Merowinger sogar im Besitz des heiligen Grals gewesen sein sollen.

Die Metaebene der Trilogie

Auf der Metaebene sehen wir den Architekten, der gemeinsam mit dem Programmierer die Matrix erschuf. Im zweiten Teil begegnet Neo dem Architekten, der ihm mitteilt, dass die Matrix in Kürze zum siebten Mal neu gestartet wird und es an ihm läge, all diese Menschen zu retten oder erneut in den Untergang zu führen. Hier besitzt man also eine Verbindung zum Merowinger als Neos Vorgänger und auf den Programmierer der gesamten Matrix. Sonderbar ist jedoch, dass der Architekt offensichtlich menschlicher Natur ist, während die Matrix doch von den Robotern und Maschinen erzeugt sein soll, außerdem sieht er aus wie man sich auf naive weise Gott vorstellen könnte. Dies führte mich zum ersten Mal zu dem Gedanken, dass das Alltagsleben im Jahre 1998 (Matrixwelt 1) ebenso eine Matrix ist wie die zukünftige Welt der Maschinen inklusive Zion (Matrixwelt 2). Konflikte zwischen Mensch und Maschine könnten vom Architekten gewollt analysiert und geprobt worden sein (siehe Wachowskis Pflichtlektüre „Out of Control“). Neo dient dabei als Schlüsselfigur zur Erschaffung dieser Brücke. Der Systemcrash der Matrix, der allem Anschein nach einen Neustart auslöst, kann vermutlich nur von Neo verhindert werden. Die Matrixwelt 1 wird nämlich im späteren Verlauf gänzlich vom Agent Smith übernommen und verwandelt jeden Menschen in sich selbst.

Meiner Ansicht nach ist die Matrix in zwei Welten geteilt, zuerst in die Alltagswelt im Jahre 1998 und in eine zukünftige Welt, die von Maschinen regiert und nur noch die unterirdische Stadt Zion von Menschen bevölkert wird. Neo ist der programmierte Messias, der dazu auserkoren ist, Frieden zwischen Mensch und Maschine herzustellen. Vermutlich geht es auf der Metaebene darum, dass eine Fusion zwischen Mensch und Maschine, bzw. zwischen Organisch und Anorganisch hergestellt werden soll.

Weitere Hinweise darauf sind, dass Neo durch das All flog, bevor er im Raum des Architekten erwachte. Offensichtlich befand er sich auf einem Raumschiff o.ä. Außerdem war Neo plötzlich in der Lage, seine besonderen Kräfte, die er nur in der ersten Matrix anwenden konnte, nun auch in der Welt der Maschinen (Matrixwelt 2) anzuwenden. Er deaktivierte mit diesen Fähigkeiten tausende an Maschinen im Kampf.

Wer sind die Wachowski-Brüder?

Larry und Andy Wachowski sind die Regisseure der Matrix-Trilogie und weiteren Filmen, aber auch dem Esoterischen sehr verbunden. Einige Schauspieler aus Matrix erwähnten, dass sie vor Beginn der Dreharbeiten eine Menge Lektüre lesen mussten, um sich optimal auf den Film einzustellen. Darunter fiel z.B. das Werk „Out of Control“ von Kevin Kelly. Keanu Reeves, der die Rolle von Neo spielte, las dieses Buch ebenfalls und war sehr begeistert. Ebenso wurde in Interviews erwähnt, dass die Wachowski-Brüder sehr intelligent seien und die Matrix-Trilogie mit vielen Rätseln bestückt hätten. Andy gilt als ziemlich normal, wenn auch öffentlichkeitsscheu, während Larry sich in seinem männlichen Körper unwohl zu fühlen scheint und vermutlich transsexuell ist. Er mag es, sich als Frau oder gar als Marylin Monroe zu verkleiden und liebt blonde Perücken. Manchmal waren sie in einem Chat anzutreffen oder in kurzen Interviews. Lange halten sie sich nie vor der Kamera auf und agieren lieber hinter den Kulissen.

Wer ist Kevin Kelly?

Er ist Autor und schrieb das Buch „Out of Control“, ein Werk, das mitunter die Entwicklung zwischen Mensch und Maschine beschreibt. Das Buch beinhaltet in etwa folgende Appelle (von mir übersetzt):

Wie gestalten wir unsere Maschinen und Institutionen komplexer? Wir müssen sie biologischer und kontrolliert bekommen. ie größte Macht der Technologie wird die künstliche Evolution sein. Wir entwickeln bereits Software und Drogen anstatt sie nur zu konstruieren. Organisches Leben ist die ultimative Technologie und sämtliche Technologie wird uns in Richtung Biologie führen. Der Hauptsinn von Computern ist dazu gut, um kleine Welten zu erschaffen, sodass wir die großen Fragen zu lösen versuchen können. Online-Foren lassen uns die Frage stellen „Was ist Demokratie und was benötigen wir dazu?“,  indem wir eine Demokratie verdrahten und gleich neu verdrahten, wenn es nicht klappt. Virtuelle Realität lässt uns erst fragen, “Was ist Realität”, indem wir versuchen, sie zu synthetisieren. Und Computer geben uns Raum zu fragen „Was ist Leben?“, indem wir ein Universum erstellen,  Computerviren und künstliche Kreaturen mit wachsender Komplexität erschaffen. Philosophen sitzen in den Hochschulen und sind es gewohnt große Fragen zu stellen, jedoch jetzt sind sie aufgefordert als Experimentalisten Welten zu erschaffen. Da wir Technologie formen, formt sie auch uns. Wir verbinden alles mit allem und auch unsere gesamte Kultur entwickelt sich zu einer „Netzwerkkultur“ und einer neuen Netzwerk-Ökonomie. Wenn wir erst die Kraft organischer Maschinen zu ernten gelernt haben, müssen wir ihnen nur noch Leitsätze und Selbstführung einflößen, und überlassen ihnen einen Teil unserer völligen Kontrolle.

Die Anspielungen in diesem Buch sind sehr deutlich und decken sich mit meinen Aussagen, dass der Architekt eben einer dieser Herren ist, die Kellys Vision umzusetzen wussten. Die Matrix dient ihnen als Experimentierfeld zur Vervollkommnung ihrer Forschungen bezüglich Mensch und Maschine („Und Gott erschuf den Menschen nach seinem Ebenbilde.“)

Wer ist Sophia Stewart?

Sophia Stewart ist Autorin und verfasste 1981 das Buch mit dem Titel „The Third Eye“. Nachdem sie „Die Matrix“ im Kino gesehen hatte, ging sie gerichtlich gegen die Wachowski-Brüder und Warner Brothers vor mit der Argumentation, dass sie offensichtlich den ersten Teil ihres Buches ungefragt verwendet und den zweiten Teil filmisch völlig verfälscht hätten. Sie macht an dieser Stelle aber nicht halt und belastet zusätzlich den Regisseur James Cameron, der ebenfalls für seinen Film „Terminator“ von ihr abgeschrieben haben soll und verlangt wegen verletztem Copyright insgesamt eine Entschädigungssumme von 2,5 Milliarden Dollar. Der Antrag wurde vom amerikanischen Gericht abgewiesen. Hätte sie nur 10 Millionen verlangt, wäre ihr Antrag vielleicht genehmigt worden. Doch gibt es viele Autoren, die behaupten, man habe die Ideen für „Die Matrix“ von ihnen abgeschrieben. Somit könnte auch meine Wenigkeit behaupten, dass sie von meiner Prosa-Trilogie „Die Vorreiter“ abgeschrieben hätten, denn diese beinhaltete bereits einige Jahre vor Veröffentlichung von „Die Matrix“ deutliche Parallelen – z.B. der Versuch, die programmierte Realität zu verlassen sowie das Leben der Menschen in „Eiern“. Bisher gibt es jedoch kein Copyright auf schriftstellerische Ideen, sondern nur auf veröffentlichte Werke. Die meisten Matrixfans bleiben den Wachowski-Brüdern jedoch treu und sind der Ansicht, dass Miss Stewart nur eine der vielen Blutsauger darstellt, die etwas von den Geldern, die die Filme eingespielt haben, erhalten möchte. Andere wiederum möchten nun erkannt haben, wieso nur der erste Teil von „Die Matrix“ so hervorrgend ist, während die beiden folgenden Teile als nicht so gelungen erachtet werden.

Neos Dämmerung

Eine Zusammenstellung aus verschiedenen Strophen der so genannten „Upanishad“, dem wohl bekanntesten Buch gefüllt mit Weisheiten vieler Meister aus dem Osten, soll an dieser Stelle jenes Flair vermitteln, das „Die Matrix“ ebenso vermittelt, wenn man sich darauf einlässt. Zuerst folgen der Originaltext und dann eine deutsche Übersetzung. Man kann dazu versuchen, wenn man möchte, die indischen Strophen leise vor sich hinzusprechen und dann die deutsche Übersetzung lesen.

Brhadaranyaka Upanishad 1.3.28:

asato ma sad gamaya
tamaso ma jyotir gamaya
mrtyor mamrtam gamaya


(Führe mich aus der Täuschung zur Wahrheit
Aus der Dunkelheit ins Licht
Vom Tode zur Unsterblichkeit)

Isa Upanishad 11:

vidyam cavidyam ca yas
tad vedobhayam saha
avidyaya mrtyum tirtva
vidyayamrtam asnute


(Er, der beides kennt, Wissen und Handlung
Mit Handlung bezwingt man den Tod
Und mit Wissen erreicht man die Unsterblichkeit)

Mundaka Upanishad 2.2.5:

yasmin dyauh prthivi cantariksam otam manah saha pranais ca sarvaih tam
evaikam janatha atmanam anya vacah vimuncatha amrtasya esah setuh


(In ihm enthalten sind der Himmel, die Erde und sämtliche Regionen der Luft,
Und in ihm ruht der Geist und all die Kräfte des Lebens. Er ist bekannt als der Eine
Und lasse alle anderen Worte beiseite, denn er ist die Brücke zur Unsterblichkeit.)

Katha Upanishad 6.7:

indriyebhyah param mano
manasah sattvam uttamam
sattvad adhi mahan atma
mahato vyaktam uttamam


(Jenseits der Sinne ist der Geist und jenseits des Geistes ist der Verstand, seine Essenz.

Jenseits des Verstandes ist das Spirit im Menschen
Und jenseits dessen befindet sich der Spirit des Universums, der Entwickler von allem.)

Katha Upanishad 6.10:

yada pancavatisthante
jnanani manasa saha
buddhis ca na vicestate
tam ahuh paramam gatim


(Sobald die fünf Sinne und der Geist still sind
Und der Verstand selbst in Ruhe ruht
Beginnt der höchste Pfad.)

Ya ya ya ya yada yadaya
Ya ya ya ya yada yada yada yada
Yada yada yada yada yada

Mundaka Upanishad 2.2.8:

bhidyate hrdayagranthis
chidyante sarvasamsayah
ksiyante casya karmani
tasmin drste paravare


(Und wenn er in seiner Immanenz und Transzendenz erblickt wird
Dann werden die Fesseln, die sein Herz gebunden haben, gelöst
Die Zweifel des Geistes verschwinden
Und das Gesetz des Karmas hat keine Wirkung mehr.)



© Jonathan Dilas, 2003 – All rights reserved -"Tota [res] quae initium habet, finis habet."

 

Quellen:

“Salt Lake Community Globe”, www.slccglobelink.com

“Out of Control – The new Biology of Machines”, Kevin Kelly, 1994

“Matrix Explained”, www.matrix-explained.com, Community in the web

„Upanishad“, Geheimlehre, Name der Vedânta, der späteren Veda-Philosophie (vgl. Deussen, 60 Upanish. S. 1 ff. Allg. Gesch. d. Philos. I 2, 13 ff.), vgl. Brahman, Atman, Maya, Idealismus

Merowinger-Tabelle, Rolf Rosch, http://homepages.compuserve.de/RoschRolf

Zion-Postkarte, „A Dream of Zion , by E. M. Lilien

Enzyklopädie Wikipedia, www.wikipedia.org

„Verschlusssache Jesus“, Michael Baigent/Richard Leigh, Knaur-Verlag, 1991

Der heilige Gral und seine Erben“, Michael Baigent, Richard Leigh und Henry Lincoln, Bastei 1987