GENRE: Kritiken

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"Griff - Der Unsichtbare"

Was ist Realität und was nicht?


Tagsüber ist Griff ein Angestellter in einem Großraumbüro, doch in der Nacht verkleidet er sich mit einem schwarzen Superheldenanzug und sorgt in seiner Nachbarschaft für Recht und Ordnung. Eines Tages lernt er Melody kennen, die begeistert von seiner zweiten Identität ist. So versucht sie doch schon seit geraumer Zeit, mit ihrem physischen Körper Wände zu durchdringen.

Ein kleines, australisches Meisterwerk präsentiert der Regisseur Leon Ford, das auf den ersten Blick eine Superheldenkomödie zu sein scheint, aber im Laufe des Films starke philosophische Tendenzen aufweist. Spätestens als der große Superheld von einem harmlosen Arbeitskollegen verprügelt wird und sein ihn unsichtbar machender Anzug doch nicht so recht zu funktionieren scheint, beginnt man sich zu wundern, wo Griffs Realität beginnt und aufhört. Umso verwirrender wird es, wenn Griffs neue Freundin Melody seine Realität bedingungslos zu teilen scheint und ebenfalls mit mysteriösen Wahrnehmungen aufwartet, die überraschenderweise beide wahrnehmen können.

Ford jongliert hier gekonnt mit der Interpretation der Realität sowie dem Konflikt zwischen Selbst- und Fremdbild. Ein drolliger, liebevoll gestalteter Film, der passenderweise mit Songs von Au Revoir Simone untermalt wird.

Fazit: Sehenswert.

Bewertung: 8 von 10 Sternen

(ähnl. Filme: Kickass) (Regie/Buch: Leon Ford, mit Maeve Dermody, Heather Mitchell, Ryan Kwanten, AUS 2010, 90 min.)


"Contagion"

Spaltender Pharma-Sci-Fi-Werbefilm


Nach der Vogel- und Schweinegrippe taucht ein noch schlimmerer Virus als jemals zuvor auf, der mit seiner hohen Ansteckungsrate dazu neigt, in kürzester Zeit Millionen Menschen zu infizieren. Also versuchen die Wissenschaftler des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention Dr. Ellis Cheever (Laurence Fishburne), Dr. Erin Mears (Kate Winslet) und Dr. Ally Hextall (Jennifer Ehle) ein Gegenmittel zu finden. Doch der berühmte Blogger Alan Krumwiede ist misstrauisch und vertraut den Machenschaften der staatlichen Gesundheitskontrolle nicht und bloggt seine Recherchen im Internet.

In diesem Film wird nicht nur die bereits existente Spaltung zwischen der hiesigen Presse und den Social Communities sowie den Bloggern aus dem Internet vergrößert, sondern letztere als panikverbreitend und nicht vertrauensvoll dargestellt. Wie aus dem Bilderbuch demonstriert der Regisseur in seinem Film die liebevolle und nachsichtige Vorgehensweise der Konzerne im Falle einer Pandemie und wird im besten Licht gezeigt, während der Blogger Krumwiede vielmehr als hinterhältig und panikverbreitend dargestellt wird. Somit entpuppt sich dieser Film trotz der hervorragenden Schauspielbesetzung als höchst manipulativ und wer weiß mit wie vielen Sponsoren dieser Film gedreht wurde. Eifrig wird die Panikmache den Bloggern zugeschoben, dabei zeigt der Epilog des Filmes gleich den nächsten Höllenboten in Form einer Fledermauskrankheit, die nichts besseres zu tun hat, als Schweine zu infizieren und demonstriert überaus deutlich, wer tatsächlich Panik zu verbreiten sucht. Schade, dass sich so manch hervorragender Schauspieler dazu herabgelassen hat, sich für diesen Film herzugeben.

Fazit: Sich nicht beeinflussen lassen und auf den Film verzichten.


Bewertung: 3 von 10 Sternen

(ähnl. Filme: -) (Regie: von Steven Soderbergh, mit Jude Law, Matt Damon, Kate Winslet, Laurence Fishburne, USA 2011, 105 min.)


"In Time"

Bonny & Clyde im Social Sci-Fi


Der im Ghetto lebende Arbeiter Will (Justin Timberlake) befindet sich in einer Welt, in der der Mensch ab dem 25. Lebensjahr nicht mehr altert und mit genügend Zeit unsterblich sein kann. So wurde Geld durch Zeit ersetzt und jeder trägt eine Uhr auf dem Unterarm, mit deren Hilfe man für eine Stunde eine Tasse Kaffee bekommen kann oder für 60 Stunden eine Nacht in einem Hotel. Die Welt ist in Zeitober- und Unterschichten eingeteilt, in Zeitzonen, in denen die unterschiedlichen Klassen je nach Zeitbesitz leben. Wessen Zeituhr auf Null anlangt, stirbt sofort, wer endlos Zeit hat, lebt unendlich lang. Während Will sein ganzes Leben lang nur mit wenig Zeit von Tag zu Tag gelebt hat, trifft er plötzlich auf einen Mann, der über 100 Jahre auf seinem Konto hat, die er ihm bereitwillig überlässt, da er des Lebens überdrüssig geworden ist. Will verlässt das Ghetto und betritt andere Zeitzonen, um das System zu verstehen.

Ein wunderbarer Film und ein deutlicher Seitenhieb gegen unsere vom Geld und Machthabern kontrollierte Gesellschaft. Während man glaubt, man habe es hier mit einem Science-Fiction zu tun, der den Wunsch nach Unsterblichkeit zum Ausdruck bringen möchte, lässt sich täuschen, denn eigentlich dreht sich der Film um eine Gleichstellung zwischen Geld und Zeit, um die Zusammenhänge innerhalb unseres Geldsystems und dessen versklavenden Eigenschaften viel deutlicher werden zu lassen. Aus meiner Sicht ein hervorragender Film, ganz im Sinne von Wachowskis "V wie Vendetta", in der man sich durch einen Überwachungsstaat und ein menschenunwürdiges System unterdrücken und in seiner Freiheit berauben lässt. "In Time" entnimmt auch Elemente anderen Filmen, wie Flucht ins 23. Jahrhundert, Robin Hood oder auch Bonny & Clyde, in der ein Gangsterpärchen gegen das System rebelliert und von Regierung und Polizei als gemeingefährlich eingestuft, aber vom Volk geliebt werden.

Der Regisseur Andrew Niccol hat bereits im Jahre 1997 ein Sozialdrama auf die Beine gestellt, in der er das menschenunwürdige Klassensystem kritisierte. Interessanterweise ist ihm dieses Mal eine hervorragende Parabel gelungen und macht die Schwachstellen unseres Geldsystems deutlicher denn je.

Neben dieser sozialkritischen Komponente reißen Timberlake und die Schauspielerin Amanda Seyfried sämtliche Sympathien auf ihre Seite und repräsentieren den Anstoß zum Umsturz eines außer Kontrolle geratenen Systems.

Bewertung: 9 von 10 Sternen

(ähnl. Filme: V wie Vendetta, Bonny und Clyde) (Regie: von Andrew Niccol, mit Justin Timberlake und Amanda Seyfried, USA 2011, 109 min.)