Jonathan Dilas Kurzgeschichten Stories out of Dreams

Die Ernährung eines Gottes
in der psycholektrisch-physiologischen Realitätsgestaltung

(© Jonathan Dilas)

 


Bericht 2

Kommentar:

Anhand der mir vorgelegten Daten kommt eindeutig zum Vorschein, daß die Erschaffung eines Gottes auf rein energetischer Basis eine Ernährung desselben erfordert. Die erschaffene Realität hat stets selbstversorgend zu sein und sollte keiner äußeren Hilfe mehr bedürfen. Aus diesem Grunde sind Ausläufer Gottes von großem Vorteil, da sie die Ernährung des Kerns auf lange Sicht garantieren. Diese Ausläufer werden in die unmittelbare Realität gesandt und besitzen einen Tarnschirm, um bei ihren Operationen nicht aufzufallen, da sie ansonsten nur die Spielfreude der Gäste beeinträchtigen würden. Der Tarnschirm funktioniert ganz einfach auf dem Prinzip des sich schon immer bewährten Resonanzballons, dessen Innenschirm die Wahrnehmung der Ausläufer nicht registrieren kann. Somit bleibt den Gästen jede Aktion dieser Ausläufer vorenthalten und können so ihren Aufenthalt optimal genießen. Zur näheren Erläuterung des Vorganges empfehle ich einen direkten Einblick vor Ort:

„Guten Tag meine Damen und Herren! Hier an meiner rechten Seite erkennen Sie ganz deutlich den Tarn-Schirm und die unterschiedlichen Resonanzballons, in denen sich die Gäste befinden. Weiter unten sehen Sie mehrere Ausläufer, die sich unbemerkt Zugang zu den Ballons verschaffen und Energie absaugen. Die Energie wird sofort an andere weitergeleitet, bis sie ihr Ziel erreicht hat. Im weiteren erblicken Sie die verschiedenen Größen der Ausläufer, die durchaus in der Lage sind, sämtliche Fortbewegungsarten zu imitieren. Das Absaugen von Energie bedeutet für die Gäste, daß sie sich nicht der tatsächlichen Umgebung bewußt werden können, denn dies würde ebenfalls den Genuß der wahrgenommenen Realitätssimulation stören und läge auch nicht im Sinne des Projekts. Um all die Gerüchte dieser Realität klarzustellen, kann gesagt werden, daß die Gäste durchaus bis zum Abschluß der Realitätssimulation zu verweilen haben, da zu diesem Zeitpunkt die Abgabe der Energie am größten ist. Danach wird der Gast assimiliert und in den Kern reintegriert.“

Resultat

Diese Ausläufer sind durch ihre hohe Anzahl ebenso produktiv wie der Kern selbst und besitzen nur den einen Nachteil, daß sie sofort zurückschrecken, wenn sie erblickt werden. Das jedoch kommt sehr selten vor und erfordert erst einmal eine Neu-Ausrichtung des Gastes. In diesem Falle würde der Gast die Energie für sich behalten und die Existenz des Resonanzballons erkennen, was eine sofortige Einstellung des Programms zur Folge hätte.